|
Gedicht: Widerwasser (1.Mose) |
|
Widerwasser bedeckt mich, betränkt meine Täler, entgipfelt meine Höhen, verflutet mich ins Nichts. Verwässert ist aller Halt. Mein Land lechzt nach Licht. Zu lange schon ist der Regen mein Freund. Verpropfen seine Tropfen mein heißes Gestein allein. Über mir der Schatten der Arche |
|
gefüllt mit Leben. Manchmal durchstreifen ihre Planken meine Flanken sehnsuchtschwer zieht sie ihre Furchen, durchwühlen mich grundlos. Rettung droht, aber bis dahin versenke ich mich in meine todsicheren Abgründe. |
|
Hört denn die Flutwut niemals auf niemand? Hast Du nicht gesagt, Du wirst die Taube schicken ... Darum halte ich den Ölzweig bereit im Hoffnungshain solange, bis ich ihren Flügelwind in meiner Tiefe spüre und sie mich findet. Dann enthebt mich Deine Sonne dem Widerwasser auf immerdar. |
|
Bibelstelle – 1. Mose 8,10 –11 (Luther) |
|
Da harrte er noch weitere sieben Tage und ließ die Taube wieder aus der Arche. Und die Taube kam zu ihm um die Abendzeit und siehe, ein abgebrochenes Ölblatt hatte sie in ihrem Schnabel. Da merkte Noah, dass die Wasser sich verlaufen hatten auf Erden. |
|
â€â™€ Meditation |
|
Ich kenne dieses Widerwasser. Wenn alles drängt und kein fester Grund spürbar ist. Über mir schwimmt Rettung, |
|
noch unerreichbar. Ich sehe sie, aber sie hebt mich nicht heraus. |
|
Ich halte aus, dass Hoffnung warten lässt. Dass Zeichen Zeit brauchen. |
|
Vielleicht ist Vertrauen heute nichts anderes, als den Ölzweig bereitzuhalten. Nicht zu fliehen, nicht unterzugehen, sondern zu bleiben und zu hoffen, dass Leben wieder Land findet. |
|
â“ Fragen für den Tag |
|
1. Wo erlebe ich gerade Widerwasser in meinem Leben? 2. Was fühlt sich nach Überflutung oder Haltlosigkeit an? 3. Welche kleine Hoffnung halte ich dennoch bereit? 4. Wo warte ich auf ein Zeichen, das noch aussteht? 5. Was hilft mir, im Ausharren nicht bitter zu werden? |
|
Gebet |
|
Gott, manchmal stehe ich im Wasser bis zum Hals. |
|
Ich sehe Rettung, aber sie trägt mich noch nicht. |
|
Halte mich im Warten. Bewahre meine Hoffnung, wenn sie müde wird. |
|
Sende Dein Zeichen, zur rechten Zeit, und führe mich ins Licht zurück. |
|
Körperübung |
|
**"Im Wasser stehen."** |
|
Stelle dich aufrecht hin. Spüre den Boden unter deinen Füßen. |
|
Stelle dir vor, du stehst im Wasser, das dich umgibt, aber trägt. |
|
Atme ruhig ein und aus. Beim Einatmen: *Ich halte aus.* Beim Ausatmen: *Ich vertraue.* |
|
Bleibe einige Atemzüge in dieser Haltung. |
|
Abendreflexion |
|
Wo habe ich heute Widerwasser gespürt? Wo habe ich dennoch Hoffnung bewahrt? Welchen Ölzweig nehme ich mit in die Nacht? Wofür bin ich dankbar? |