Epilog: Dornbusch (2.Mose)



Gedicht: Dornbusch (2.Mose)

  Wenn er meinen Namen nennt
aus den dampfenden Dornen,
den lichtenden Lohen heraus
in meine Wüste hinein,
dann bin ich schon verortet
im heiligen Land.

  Ich verlasse die ausgetretenen Pfade,
komme den Feuerfackeln nahe,
um zu erkennen, wer da ist.
Viel Furcht verhüllt mir Dein Angesicht,
aber im Flammenwort erscheint Dein Du
mir in immer neuem Licht.
"Da bin ich", sagst Du
und lässt mich sein.

  Jeder hat viel Volk in Ägypten!

  Im Gehen gibst Du Antwort auf meine Fragen.
Im Gehen finde ich den,
der ich in Dir sein werde.
Zeichen müssen folgen
wie schon den Altvorderen,
Schlange und Stab,
Krankheit und Heil,
Wüste und Wasser.

 
Bibelstelle – 2. Mose 3,1 –6 (Luther)

  *Mose hütete die Schafe seines Schwiegervaters Jitro und führte die Herde über die Steppe hinaus bis an den Berg Gottes, den Horeb. Dort erschien ihm der Engel des HERRN in einer Feuerflamme mitten aus einem Dornbusch. Er sah, dass der Dornbusch im Feuer brannte, aber nicht verzehrt wurde. Da sagte Mose: "Ich will hingehen und diese große Erscheinung ansehen." Als der HERR sah, dass er hinging, um nachzusehen, rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu und sprach: "Mose, Mose!" Er antwortete: "Hier bin ich." Gott sprach: "Tritt nicht näher herzu! Ziehe deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, auf dem du stehst, ist heiliges Land." Und Er sprach weiter: "Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs." Da verhüllte Mose sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.*

 
â€â™€ Meditation

  Ich stelle mir vor, wie ich vor diesem brennenden Busch stehe.
Ein Ort, der leuchtet, ohne zu verbrennen.
Ein Ort, an dem Du meinen Namen rufst.

  Ich spüre meine Furcht, meine Unsicherheit, meine Unfreiheit.
Und dennoch: Du rufst mich näher zu Dir.

  Ich atme ein und lasse zu, dass Dein Licht mein Inneres berührt.
Ich atme aus und lege meine Angst in Deine Hände.

 
â“ Fragen für den Tag

  1. Wo erlebe ich heute meine innere Wüste?
2. Wo spüre ich eine leise Sehnsucht, näher zu Gott zu kommen?
3. Welche Furcht hält mich zurück?
4. Was könnte für mich heute "heiliger Boden" sein?
5. Wo habe ich in meinem Leben schon einmal erlebt, dass Gott mich beim Namen ruft?

 
Gebet

  Gott,
Du rufst mich beim Namen.
Du siehst meine Wüste,
meine Furcht,
meine Sehnsucht.

  Du bist das Feuer, das brennt,
ohne zu zerstören.

  Führe mich näher zu Dir,
nimm weg, was mich bindet,
und lass mich erkennen,
dass der Ort, an dem ich stehe,
heilig ist, weil Du da bist.

 
Körperübung

  **"Ich betrete heiliges Land."**

  • Stelle dich ruhig und aufrecht hin.
• Lege beide Hände auf dein Herz.
• Atme ein und spüre den Boden unter dir.
• Beim Ausatmen stelle dir vor, wie du symbolisch deine "Schuhe" – deine Sorgen, deine Rollen, deine Masken – ablegst.
• Mache einen kleinen Schritt nach vorne und sage innerlich:
**"Ich stehe auf heiligem Boden."**

Abendreflexion

  Wo habe ich heute etwas von Deiner Nähe gespürt?
Gab es einen Moment, der wie ein kleines Leuchten in meinem Alltag war?
Wo habe ich Furcht erlebt – und wo Vertrauen?
Wofür möchte ich Dir heute danken?

10.12.2001  ↑    



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