Epilog: Bergselig (Luk.6)



Gedicht: Bergselig (Lukas 6)

  Selig, was armselig blüht
an deinen Hängen und Matten.
Wo dein Arm zu kurz ist,
um das Tal zu beschatten.
Freue dich!
All dies wird noch von oben
mächtig mit Fülle und Farbe durchwoben.

  Selig, wenn dein Weinberg weit ist
und immerfort im Schlotterschatten liegt.
Lass los und vergifte seine Brunnen nicht
mit bitterer Galle.
Freue dich!
Dir wird die Sonne allzumal
aufgehen als erstes von allem
über deinem Tränental.

  Selig, wenn dein Massiv
niemanden erdrückt noch erschlägt.
Es den Blick nicht versperrt sondern freigibt
auch auf die anderen Gipfel
und die Sonne.
Freue dich!
Und sei sanft wie von Sinnen,
so wirst du noch mehr Land gewinnen.

  Selig, wenn sie dein Echo
über dir brechen.
Nur weil sich in deinem Wasserlachen
der Himmel widerspiegelt
und deine Aufwinde sich
vom tiefsten Grunde her
immer wieder beflügeln lassen.
Freue dich sehr!
Denn dereinst
wird dort vollkommen sein,
was du hier schon bist.

 
Bibelstelle – Lukas 6,20 –23 (Luther)

  Und er hob seine Augen auf über seine Jünger und sprach:
Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer.
Selig seid ihr, die ihr jetzt hungert; denn ihr sollt satt werden.
Selig seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen.
Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen
und euch ausstoßen und schmähen
und verwerfen euren Namen als böse um des Menschensohnes willen.
Freuet euch an jenem Tage und hüpft;
denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel.

 
â€â™€ Meditation

  Ich höre das Wort "selig"
nicht als abschließendes Urteil,
sondern als Verheißung
und Ansporn.

  Es gilt dem Unfertigen,
dem Verschatteten,
den schutzlos Verlorenen,
meinem unruhigen Herzen.

  Als Selige/r kann ich loslassen
im Ärmerwerden.
Ich kann sanft werden
ohne Angst haben zu müssen
mich zu verlieren.

  Seligkeit lässt Raum
für Sonne,
für andere Gipfel,
für das Echo des Himmels in mir.

 
â“ Fragen für den Tag

  1. Wo blüht in mir etwas Armseliges und Unscheinbares?
2. Welche Bitterkeit möchte ich heute nicht nähren?
3. Wo kann ich sanfter werden, ohne mich zu verlieren?
4. Was versperrt mir den Blick auf andere Gipfel?
5. Welche Verheißung trägt mich heute?

 
Gebet

  Gott,
Du nennst selig,
was ich gering achte
oder wovor ich Angst habe.

  Lehre mich,
die Chance im Mangel zusehen,
und zu hoffen,
wo Schatten mich befleckt.

  Mache mein Herz weit,
meinen Blick frei
und meine Schritte sanft
auf dem Weg zu einem reinen Herz.

 
Körperübung

  **"Weite zulassen."**

  Stelle dich aufrecht hin.
Öffne die Arme langsam zur Seite.
Atme ein
und spüre die Weite im Brustraum.

  Beim Ausatmen
lasse die Arme locker sinken.

  Beim Einatmen: *Ich werde weit.*
Beim Ausatmen: *Ich lasse los.*

  Wiederhole dies einige Atemzüge lang.

 
Abendreflexion

  Wo habe ich heute Seligkeit geahnt?
Wo durfte ich loslassen oder sanfter werden?
Welche Verheißung nehme ich mit in Nacht?
Welcher Dank macht mich weit?

2.01.2001  ↑    


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