Babel (Jeremia)


Als man mir die Augen aufschlug
bei meinem Erwachen
an den Wassern Babels,
weinte ich mit den Weiden
und heftete meine Laute
an die Pappeln die dort wuchsen,
bis sie verstummten.
Über die Zeit schwiegen wir uns zusammen
und vergaßen Jerusalem.
Tag für Jahr verfiel
mein Zionslied fremden Feldern.

  Doch dann vernahm ich
inmitten Edoms,
als meine Zunge mir am Gaumen klebte,
ich meine Rechte vergessen hatte,
des Herren Lied
und wie es meinen Namen sang.
Da konnte ich Jerusalem
in all dem wieder erkennen
und lasse es seitdem
trotz meiner Gefangenheit
Tag für Tag
meine höchste Freude sein.

  Sollen meine Feinde doch sagen:
"Wo ist denn dein Gott?"
Sollen sie sich
an ihrem Wissen laben
und darin
ihre Hölle haben!

30.09.2012  ↑    




Epilog: Babel (Jeremia)



Gedicht: Babel (Jeremia)

  Als man mir die Augen aufschlug
bei meinem Erwachen
an den Wassern Babels,
weinte ich mit den Weiden
und heftete meine Laute
an die Pappeln die dort wuchsen,
bis sie verstummten.
Über die Zeit schwiegen wir uns zusammen
und vergaßen Jerusalem.
Tag für Jahr verfiel
mein Zionslied fremden Feldern.

  Doch dann vernahm ich
inmitten Edoms,
als meine Zunge mir am Gaumen klebte,
ich meine Rechte vergessen hatte,
des Herren Lied
und wie es meinen Namen sang.
Da konnte ich Jerusalem
in all dem wieder erkennen
und lasse es seitdem
trotz meiner Gefangenheit
Tag für Tag
meine höchste Freude sein.

  Sollen meine Feinde doch sagen:
"Wo ist denn dein Gott?"
Sollen sie sich
an ihrem Wissen laben
und darin
ihre Hölle haben!

 
Bibelstelle – Jeremia 29,4 –7 (Luther)

  So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels,
zu allen Weggeführten, die ich von Jerusalem
nach Babel habe wegführen lassen:
Bauet Häuser und wohnet darin;
pflanzet Gärten und esset ihre Früchte.
Nehmet Weiber und zeuget Söhne und Töchter.
Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen,
und betet für sie zum HERRN;
denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl.

 
â€â™€ Meditation

  Ich kenne dieses Verstummen.
Wenn das Eigene fremd wird,
das Vertraute fern
und das Fremde übermächtig.

  Aber auch mitten im Exil
ruft jemand meinen Namen.
Nicht laut, aber beharrlich.

  Ich darf mich erinnern,
ohne zurückzufliehen.
Ich kann treu bleiben,
ohne mich zu verschließen.

  Vielleicht ist Glauben heute für mich
nicht Heimkehr,
sondern das Bewahren meines Liedes
in fremden Gefilden?

 
â“ Fragen für den Tag

  1. Wo erlebe ich gerade Fremdheit oder Verlust?
2. Welche Lieder habe ich in mir verstummen lassen?
3. Was hilft mir, mich zu erinnern, ohne bitter zu werden?
4. Wo kann ich dem Ort, an dem ich bin, dennoch Gutes wünschen?
5. Was ist meine "höchste Freude" trotz Gefangenheit?

 
Gebet

  Gott,
manchmal lebe ich fern
von dem, was mich trägt.

  Bewahre mir Dein Lied,
auch wenn ich es manchmal
nicht singen kann.
Rufe Du meinen Namen,
wenn ich mich verliere.

  Lehre mich Treue
in fremdem Land
und Hoffnung,
die nicht verstummt.

 
Körperübung

  **"Das Lied bewahren."**

  Setze dich ruhig hin.
Lege eine Hand auf den Bauch,
die andere auf die Brust.

  Atme langsam ein und aus.

  Beim Einatmen: *Ich erinnere mich.*
Beim Ausatmen: *Ich bleibe treu.*

  Bleibe einige Atemzüge
in dieser Haltung.

 
Abendreflexion

  Wo habe ich heute Fremdheit gespürt?
Wo habe ich mich erinnert, was mich trägt?
Welches Lied nehme ich mit in die Nacht?
Was macht mich dankbar?



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