Leben


Immer wieder tritt man Dich
zu Boden,
durchbohrt man Dich
mit Kugeln, Nägeln
und Niedertracht.
Gutgläubig gibst du Dich hin
gänzlich gewaltlos,
gewehrlos,
ohnmächtig.

  So verstaunt blickst Du uns an,
wenn wir uns Deiner bemächtigen
so hasserfüllt,
so unendlich ungestillt,
so unbelehrbar eingehüllt,
so in unserm Ich
so selbstverständlich lebend,
so respektlos.

  Wieder wird man Dir
eine Kugel in den Kopf jagen,
dabei lachen und wegsehen.
Wie immernd wird Dein Blut
den Staub tränken.
Wie immer wirst Du darin
unglaublich ungehört versickern.
Dann wird Dich
jemand mit seinen Stiefeln
in die Straße graben
angewidert –
wie immer.

  Du aber stehst
verwandelt auf
wieder und wieder wie der Frühling.
Ist er doch Dein, der dritte Tag.
Welches Wehe aber dem,
der Dich mit Füßen tritt?
Sein Ich kann keinen
Raum finden in Dir.
Denn immer schon trittst Du ein
im Du uns die Hand reichend
bis zum Ende der Zeit
so unerkannt,
so übermächtig.

6.04.2015    



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© WolfgangJohannesWelk ( wjw@reimquelle.de )

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