Gestern bin i in an Garten neiganga


Gestern bin i in an Garten neiganga,
der war so schee, i konnt me kaum fanga.
Vuihundert Bleame in herrlicher Pracht
ham um me herum ein Feia entfacht
aus Farben und Düft'.
Ois war so sauba, koa Dorn ned, koa Dist'l,
do war i dahoam, im Gart'n da Mama, da Christl.

  Herrlich schmeckt's do nach Honig und Flieda
und a des Kloazeig find des ned zwieda.
D' Schmetterling' flattern aufgeregt daquer,
sovui zum Fressen findn's sonst nirgendswo mehr.
Die Frösch' drinn im Teich, se juchzen vor Glück
in eanane Seerosnschifferln an de zwoahundert Stück.

  Aber der G'müasgarten dort, des is a ganz besonderer Ort.
Dort drinn host Du de erst'n Furchan zog'n,
den hart'n Grund im sanft'n Bog'n
gründlich g'harkt und saubag'fegt
und dann Dein guad'n Samen eineglegt.
Host z'letzt mit Sorgfalt drüba g'wacht,
wos de Saat dort unt'n macht.

  Deine Pflanzal host du so vui gern meng,
san's doch so huiflos im Mistbeet drin g'leng.
Host für se hergricht mit fleißige Finga
dreimoi am Dog den g'schmackigstn Dünga.
Mit Engelsgeduid host Du Jahr um Jahr
g'schaugt, dass koan Sprößling gekrümmt weard a Haar.

  Is dann trotzdem oana ned so recht g'schossn,
host Du eam mit Langmut sanft übergossen,
aus an ganz tiaf'n Brunna.
War er dann immer no blass und hod se recht blaht,
host Du sofort ein Schneckengift g'straht.

  Ham de am Himme dunk'le Woikn daschreckt,
dann host du in Eile des Mistbeet abdeckt.
So konnt koa Hag'l, koa Frost und koa Stoa
Deine kloan Pflanzal irgend ebbs doa.
Ar im Untergrund host Du g'lauert und g'specht,
ob ned a Untier in deim Gart'n wos mecht.
Und woit so a Maulwurf die Pflanzal ogrob'n,
host du eam sofort mit da Schaufe daschlog'n.

  Koa Meisal hod se do irgend ebbs traut,
wenn Du wia a Luchs host finster dreigschaut
unbeirrbar und fest.
Saibst Kater Meikesch mußte da ziemle lang warten,
bis er zuawe hod dearfa zum Pflanzal im Gart'n.

  Ja des is wichtig, Ordnung muaß sei,
koa krumma Weg schleicht se dann ei.
Und woit so a Reisa pardou nicht parier'n,
host Du eam g'scheid beidld und folgendes g'schrian:
"I sog des am Chef vom hiesigen Gartenverein,
der setzt dann neb'n dir an Watschnbam ein."

  Jetzt diam, im Herbst, da Gart'n is laar,
die Pflanzal san weg, de Bladln foin schwar
z'ruck auf den Bod'n,
wo se kaum no wos rüaht, nix mehr zappelt, nix blüaht,
wo ma, an am Windhauch an koidn, den Winter scho spürt.

  Do konnst nur oans doa, de guad präparien,
so dass im Winta koane Wurzln dafriern.
Und de drauf besinna, wos des wichtigste is,
a Gartler woas des, do bin i mir g'wies:
Kloane Pflanzal wearn groß und vermehrn se wia g'hetzt,
da Winta vageht, da Somma g'winnt z'letzt.

  So is da Weg, so geht doch sein Gang,
jedes Pflanzal sei Bahn mit da Sonna entlang.
Doch nia weards vagessen des kloane Stück Land,
auf dem's aufgwachsn is – und an Gärtner sei Hand.

  Drum liabe Mama, laß Dir von Herzn recht danken,
in Deim scheenan Gart'n war's narrisch guad Rank'n.

8.07.2000    



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© WolfgangJohannesWelk ( wjw@reimquelle.de )

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