Leo Leopard


Selten war ein Leopard
so apart wie Leo Leopard.
Elegant wie er so tänzelt,
mit seinem Schweif erotisch schwänzelt.
Ja, dann sehnen sich die sonst so wilden Katzen
nach Leos sanft behaarten Tatzen.

  Sein Fell ist immer glänzend, gut geputzt,
das Barthaar säuberlich gestutzt.
Der Gang ist der von Fred Astaire.
Sein Duft bleibt ohne Gegenwehr,
sobald er sein Revier durchstreift
und dabei frech sein Liedchen pfeift.

  Denn wenn er hoch im Baume hängt,
ganz laissez-faire den Blick in die Savanne lenkt
und dabei sich sein breiter Brustkorb hebt und senkt
er ganz in männliche Gelassenheit gehüllt
den Buhler-Brunftschrei mächtig brüllt,
ja dann bleibt dies nicht unbeachtet,
dann bleibt keine Katze unverschmachtet.

 
Bild: picLeopard02 (Quelle: Englmaier)


Auf der Wildbahn ist er ungeschlagen.
Sogar die Gnukuh lässt sich von ihm jagen,
sich von Ihm nach spitzem Sprint erlegen.
Denn nichts kann sie so sehr erregen
wie Leos ungebremste Männlichkeit,
die immer öfters in der Zeit
gierig nach Erfüllung schreit.

  Was soll man sagen:
Ob Leo- oder Gepardin,
den Leo zieht's zu allem magisch hin,
was in der Leistengegend anders tickt als er.
Das Treusein aber fällt ihm richtig schwer.
Denn hat er eine erst erstanden,
denkt er gleich an ähnliche Probanden.
Ja, in seinem Liebesspiel
ist eine mehr, ihm nie zu viel.

  So ist im Steppen- und Savannenland
Leo als Kavalier sehr wohl bekannt.
Jede weiß, ob von nahe oder Ferne
Leo paart sich für sein Leben gerne.
Nur, dass er dabei immer Treue schwört,
hat viele schließlich sehr verstört.
Und was man ihm noch übel nahm,
dass er immer früher kam.
So sehr hat dies die Damenwelt verdrossen,
dass sie sich gegen ihn zusammenschlossen.
Der Entschluss war ziemlich hart
und ungefähr von dieser Art:
"Mit Leo wir nicht mehr gepaart!"
Das war schade für den Leopard,
denn darin war er richtig smart.

  Manch eine, die er danach frug,
sagte, sie sei auf Entzug.
Eine and're log gar mächtig,
meinte steif und fest, sie sei von einem Löwen trächtig.
Er fragte dort, er fragte die.
Alle hatten plötzlich "Paarungsallergie".
Auch die sonst so steile Kuh vom Stamm der Gnu
sprach: "Ach lass mich du doch bloß in Ruh!
Behalt' dir deine undressierten Reize,
uns glaub' ja nicht, dass ich für dich nochmal die Schenkel spreize."

  Leo war total am Ende.
Am meisten aber schmerzte ihn die stillgelegte Lende.
Zudem zogen ihn die prallen Hoden
immer tiefer noch zu Boden.
Im Staub zog er sie schleifend hinterher.
Ihm war, als wögen sie zehn Tonnen schwer.

  Wie sollte er das alles nur verkraften,
wie sich weiterhin entsaften.
Jede Schwellung war vergebens:
"Wo ist er hin der Sinn des Lebens",
klagte er und schlich von dannen.
"Am besten ist's, ich lasse mich entmannen."

  Schließlich hielt er's nicht mehr aus:
"Der Überdruck muss endlich raus",
dachte er vor Trübsinn trunken.
Ihm schwand der letzte Hoffnungsfunken.
Und gerade, als der sich verkroch,
erspähte er am Terebinthenbaum ein hohles Loch
und dachte sich: "Das tut es doch!"

  Im Wahn ist er dort aufgesprungen
und ohne Vorspiel tief ins Dunkel eingedrungen.
Dies hat ihn zunächst sehr entlastet.
Doch dann:
Was war dass, was er im Nachspiel da ertastet?!
Die Erkenntnis gab ihm dann den Rest:
Er stak mit seiner ganzen Männlichkeit
bis zum Hals in einem Wespennest.

  Dieses war sehr feindlich gegen alle Stangen,
die durch das Luftloch in es drangen.
So setzte sich das Nest zur Wehr mit allem, was ihm ward gegeben
mit Gift und Stacheln, als ging es um sein Leben.
Es stach ihn hundertfach in all die Stellen,
die an sich von selber schwellen.
Wie ein Ballon wurde sein Teil.
Am Ende fanden's selbst die Wespen geil.

  Knochenhart stand nun sein Stück,
es ging nicht vor nicht mehr zurück.
So sehr er sich auch darum mühte:
Der Stengel hing an seiner "Blüte".
Die Schmerzen waren unbeschreiblich,
das Mitleid männlich, der Hohn gediegen weiblich.
Zwei Tage ist er so gehangen
im tiefen Loch total gefangen.
Erst ein Regenerguss hat ihn erlöst,
als er erschlafft und eingedöst
am Baume hing: Das war ein Ding mit seinem Ding!

  Als Leo wieder zu sich kam,
war er noch immer voller Scham.
Denn seine arg geschund'ne Blöße
besaß noch immer pralle Größe.
Vom Wespengift noch ganz gerötet
hing es da wie abgetötet.
"Am liebsten", hörte er sich hauchen,
"am liebsten würd' ich untertauchen.
Das Teil ist nicht mehr zu gebrauchen."

  Was soll man hier noch weiter sagen ...
Lange klang noch Leos Klagen
durch den Busch und durch die Zweige.
Doch bei den Katzen ging der Ärger bald zur Neige.
Denn schließlich war bald Paarungszeit
und da braucht's Parden, die dazu bereit.
So heilt die Zeit auch diese Schwellung.
Auch Leos Geist erfuhr Erhellung.
Der Vorgang war ihm eine Lehre.
"Lust wiegt weniger als Ehre",
dachte er. "Und sollt' ich jemals wieder kommen,
wird jede Gattin ernst genommen.
Gepaart wird nur noch mit Empfindung.
Von Vorteil wär'ne feste Bindung.
Auf Dauer muss das Herz gewinnen",
dachte er und zog von hinnen.

 
Bild: leopard-163035_640 (Quelle: pixabay.com)

25.05.2014    



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© WolfgangJohannesWelk ( wjw@reimquelle.de )

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