Filius Fisch


Zum seinem Filius sprach Vater Fisch:
"Setz dich sofort an den Tisch!
Was musste ich denn da vernehmen:
Mein Sohn gehört zu den bequemen,
faulen, fiesen, falschen Flundern,
die ihren Mitfisch darin nur verwundern,
dass sie sofort die Flossen strecken,
sobald die Dinge, ein wenig nur nach Arbeit schmecken.
Ich erhielt's mit Brief und Siegel,
dein Nichtstun stinkt bis hoch zum Meeresspiegel.

  Selbst die öligen Sardinen
sind fleißig wie die Bienen.
Auch der rüde Rochen
hilft seiner Mutter gern beim Kochen.
Selbst der wilde, weiße Hai,
frisst zum Frühstück immer zwei
und hält das Meer noch rein dabei.

  Denk doch an Onkel Oktopus,
der Tinte hat im Überfluss
und damit alles unterstreicht,
bis es allen gründlich reicht.
Schau auf unser'n alten Barsch,
er bläst uns allen hier den Marsch,
auch wenn er selber nichts mehr hört,
was ihn aber gar nicht stört.

  Nur dich seh' ich immer, sich
in den Algen balgen, widerlich
ist das für mich und deine Mutter.
Selig hab sie schon der Kutter...

  Willst du nicht endlich etwas tun,
anstatt dich hier auf meine Kosten auszuruh'n?
Ach was soll ich weiter mit dir rechten?
Ab heute wirst du deine Schuppen selber flechten!
Mein Sohn, hast du nun nach meinem Rügen
dem noch etwas anzufügen?"

  "Vater, ja, in vielen Dingen hast du Recht.
Und manchmal fühl' ich mich sehr schlecht,
wenn die Faulheit kurzer Hand,
den guten Vorsatz übermannt.
Mein Fleisch ist schwach, mein Tun verdorben
gern wär' ich dir ein bess'rer Sohn geworden.
Doch was hilft das viele Stöhnen,
vieles liegt halt' an den Genen.
Sich Mühen macht da wenig Sinn,
zumal ich ja ... kein Tunfisch bin."

12.04.2014    



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© WolfgangJohannesWelk ( wjw@reimquelle.de )

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