Der Blick des Mannes


Der Blick des Mannes kann es,
ich meine das Sezieren:
Ohne Herz geht's an die Nieren,
von der Niere weiter bis zum Scheitel,
so scannt er unaussprechlich eitel
alle weiblichen Gefilde.
Kein weißer Fleck bleibt da im Bilde.
Ja, magnetengleich und ungestüm
dient er seinem Ungetüm
treu und untergeben.

  Der Blick des Mannes muss sezieren,
sähst du ihn, würd'st du erfrieren.
Stechend scharf und gnadenlos
durchdringt er Rock, durchmisst er Schoß.
Rasend schnell und immer eilig.
Nichts und niemand ist ihm heilig.
Er will das ewig Schöne nur erhaschen,
will den Apfel gleich vernaschen.
Das Großhirn wird dabei ganz unverdrossen
für solche Augenblicke kurzgeschlossen.
Unaufhaltsam, gleichwohl kühn,
steuert ihn sein Ungetüm
direkt aus dem Mandelkern,
folgt er seinem spitzen Herrn.

  Der Blick des Mannes muss vermessen.
Davon ist er wie besessen.
Ach wie liebt er die Natur,
gerade wenn sie frei und pur
sich in Berg und Tal ergeht
und darüber noch, der Hauch von Jugend weht.
Gern berauscht er sich im sanften Gleiten
über ausgeschnitt'ne Weiten. Und wenn dann noch kurze Röcke wippend Schreiten,
schwelgt er in tausend Seligkeiten.
So fängt der ganze Frühling an zu blüh'n
und es erwacht das Ungetüm
hormongebadet, starr und steif.

  Der Blick des Mannes will entdecken
alle Hasen, Miezen, Schnecken.
Solch' selt'ner Tierwelt ist er zugeneigt,
was sich in vieler Hinsicht zeigt.
Oft ist er heimlich, ganz versteckt,
bis ihn die Venus doch entdeckt.
Verlegen weicht er dann zur Seite
sich schwenkend schnell zur and'ren Weite.
Auch trifft er manchmal unverschämt,
was die Erblickte mächtig grämt.
Doch er versieht sich weiter unverblümt,
weil sich bereits sein Unge tümt.
Schließlich gilt's den Auftrag zu erfüllen:
"Mehret euch, um Himmels Willen!"

31.07.2014    



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© WolfgangJohannesWelk ( wjw@reimquelle.de )

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