Das Egoschwein


Ich hab ein grosses Egoschwein.
Der Vorteil ist, ich seh es ein.
Der Nachteil ist, ich kann keine Schritt lenken,
ohne an die Sau zu denken.
Ja, nie lässt mich mein Schwein im Stich,
immer grunzt es "Ich, Ich, Ich".

  Das Tier braucht Platz und ist sehr fett,
dem Anschein nach auch ziemlich nett.
Aber wehe, es bekommt nicht seinen Willen,
dann ist sein Toben kaum zu stillen.

  Es zieht mich tiefer in den Dreck
im Schweinsgalopp geht's hinterher.
Widerstand hat keinen Zweck.
die blöde Sau will immer mehr.
Schließlich hält das Schwein erst inne,
bis es die Schweineschoten hat
und bevor ich mich besinne,
ist das Untier längst schon satt.
Mir geht's dann schlecht, dem Schwein geht's besser.
Ich hör' mich schwör'n: "die Sau kommt unter's Messer."

  Doch leider ist das nicht so leicht.
Das Tier ist schlau und sehr brutal.
Wenn man kein Ziel dank ihm jemals erreicht
ist dem Vieh das scheißegal.
Beim Verhandeln wird man stets beschissen.
Mit Toleranz wird nichts erreicht.
Dieses Untier ist gerissen
weil es sich stets sein Recht erschleicht.

  Da könnte man schon mal verzagen,
und zum Schwein "mein Schicksal" sagen.
Das brächte aber nichts voran
weil man mit einem Schwein
auf Dauer nicht gut leben kann.
Auch wegzusehen ist gefährlich,
das Tier macht sich dann unentbehrlich.

  Man muss ihm angstfrei in die Augen sehen
und es versuchen zu verstehen!
Wieso bist du heute so gemein?
Warum gleicht dein Benimm jetzt einem Schwein?
Hör' ihm zu, es darf so sein.
Man muss es stets mit Fragen locken,
sich zu ihm in den Saustall hocken.
Was einerseits nicht sehr bequem
und andererseits nicht angenehm
für den Stolz und für die Nase,
selten führt das zu Ekstase!
Wenig Sinn macht auch das Schreien oder Schlagen,
man muss es mit Geduld ertragen.
So kann man seinem Egoschwein entsagen
und es, zu guter Letzt geliebt, zum Teufel jagen.

 
Bild: Schwein02 (Quelle: pixabay.com)

6.03.2016    



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© WolfgangJohannesWelk ( wjw@reimquelle.de )

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