Wo finde ich dich?


Wo finde ich dich
mein inneres Kind?
Wo, beim Teufel,
hältst du dich versteckt?

  Ich weiß, du lebst irgendwo
dort unten in den Schattenwäldern
meiner Vergangenheit.
Tief verborgen im Höllenhain
schmiedest du finstere Rachepläne;
uneinseh- und unerreichbar von den
wachsamen Augen des Wächters.

  Wie finde ich dich,
mein inneres Kind?
Wie, zum Teufel,
kannst du dich so lange verbergen?

  Komm' herauf, wenn ich
dich rufe auf Knien,
ich dir ohnmächtig befehle!
Ich ahne nur dein hämisches Kichern
wie das Rascheln von Blättern am Grund.
Zeig' dich endlich und mir mein wahres Gesicht!
Du hältst mir den Blick verfinstert,
seit wir der Blutwanne unseres Anfangs
entkommen sind.

  Ich weiß, sie haben auf dich
eingestochen mit spitzen Nadeln
und stumpfer Abwesenheit.
Kein Lächeln hat sich
in deinen Spiegel gemalt.
Kein Arm hat dich der Nacht entborgen.
Man hat dir die Mutterbrust gestohlen
so lange bis alles durchsäuert war.

  Wo finde ich dich,
du elender Wurm
lebendig begraben im Zorn?
Wo finde ich dich?
Vielleicht muss ich mit dem Licht des Tages
hinab in den Finsterwald
und ihn niederbrennen mit dem Feuer
der Barmherzigkeit?

2.06.2017    



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© WolfgangJohannesWelk ( wjw@reimquelle.de )

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