Turteltauben


Ich sah zwei Turteltauben turteln
auf meiner Fensterbank
voll Lust und Liebelei.
Noch eh ich "fort da" rufen konnte,
zogen beide plötzlich blank.
Es war wirklich unverfroren,
welch ein frivoler Schwank.
Mein armes Fensterbrett!
Sie turtelten so heftig,
als sei's ein Peepshowbett.

  Ich fand dies alles übertrieben
und nicht besonders fein.
Denn genau für solche Peinlichkeiten
hatt' ich in roten Lettern ein grosses Schild geschrieben
gut lesbar schon aus fernen Weiten:
"Streng verboten ist hier alles Singen, Lärmen, Schmettern
vor und auf den Fensterbrettern!
Ebenso wie alles Schieben, Rammeln, Gleiten,
Kopulieren, egal von welchen Seiten!"

  Dumm nur, alle Tiere hatte ich benannt,
Hunde, Katzen, Schweine, Fliegen,
Käfer, Kühe, Pferde, Ziegen...
Bloß nicht zu Vögeln
hatte ich geschrieben,
sich nicht auf meiner Fensterbank zu lieben.
Vermutlich deshalb waren sie geblieben
und haben's vogelwild getrieben.
Was blieb mir übrig ...?
Ich hab das Schild dann neu geschrieben.

9.03.2014    



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© WolfgangJohannesWelk ( wjw@reimquelle.de )

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