In mir steht ein Apfelbaum


In mir steht ein Apfelbaum,
so wunderherrlich anzuschau'n,
die reinste Augenweide.

  An ihm hängt der Menschheitstraum.
An seiner Frucht will ich mich laben,
durch ihn die Wahrheit haben.

  Ich greife zu und leib' mir ein
sein Rot mit allen Feuerfarben
erleuchtend mir mein eigen Sein.

  Doch gleich nach diesem Trennungsakt
schlägt es mir die Augen auf
und ich erkenne: "Ich bin nackt."

  Jetzt kenn' ich Dich?
Wähn' mich im All verlassen,
kann kein Geschenk mehr fassen.

  Schon treffen mich die Sorgen:
"Wie wird das alles morgen?"
Der Zweifel nagt mich in den Tod.

  Scham durchstreift jetzt meine Glieder.
Der Apfel ist mir längst zuwider.
Doch ich pflück' ihn immer wieder.

 
Bild: apple-1532055_640 (Quelle: pixabay.com)

30.04.2017    



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© WolfgangJohannesWelk ( wjw@reimquelle.de )

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