Ich bin nicht mein Verstand


Ich bin nicht mein Verstand,
sonst würde ich mich ja verstehen.
Ja, viel Erkennen liegt in seiner Hand.
Ein helles Licht, ein steter Brand!
Er läßt mich sicher gehen
durch Finsternis und wirres Land.
Er hält so manchem Abgrund sicher stand,
durch ihn kann ich sehen.

  Ich bin nicht nur mein Denken,
sonst würd' ich selbstlos nichts verschenken.
Ja, mein Ich hält es am Zügel.
Ein Blumenstrauß, ein harter Prügel!
Ich kann es wenden, kann es drehen.
Es schenkte mir so manchen Himmelsflügel
und macht mich stachlig wie ein Igel,
begründet mein Vergehen, mein Erhöhen.

  Ich bin mehr als meine grauen Zellen,
sonst könnte sich mein Dunkel selbst erhellen.
Ja, das Alldu lässt sich damit nicht erschließen.
Kann ein Tropfen die Wüste je durchfließen?
Ein Segel gleich im großen Wehen
gerefft wird es kein Hauch durchschießen.
Darum lasse ich je Größeres an mir geschehen.
Und schauend werde ich gewahr:
Was ich bin, wird mir im Denken offenbar.

5.03.2017    



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© WolfgangJohannesWelk ( wjw@reimquelle.de )

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