Hiob (Buch Hiob)


Ich sitze in meiner Asche.
Um mich herum nur Scherben.
Ich hatte Dir doch Treue geschworen,
aber du hast mir Geschwüre geschickt.
Meinen Einsatz hast du mit Aussatz belohnt.

  Ich hab Dir getraut,
schon schab ich mit Scherben
den Schurf meiner Haut.
Ach, könnte ich sterben
und Asche nur sein!

  Ja, deine Gnadenstöme durchflossen meine Glieder.
In frisches Land ergoss sich mein Fleisch.
Meine Söhne waren wie mächtige Baumstämme,
meine Töchter wie liebliche Lilien auf dem Felde.
Dein Wind trug ihre Lieder so herzlich verspielt
an mein stolzes Ohr.
Schafe, Felder, Land, gewobener Stein,
alles war mein und doch:
Ich hielt mich nicht daran fest,
genoss die Schönheit allein.
Immer war Deine Schrift
meiner Pfade leuchtender Schein.

  Ich hab Dir getraut,
schon schab ich mit Scherben
den Schurf meiner Haut.
Ach, könnte ich sterben
und Asche nur sein!

  Dann traf mich Dein Zorn,
wie ein Blitz schlug er drein.
Er zerriss meine Hülle,
ich wurde wie nackt,
fiel nieder und sprach:
"Dein Wille erfülle mich ganz
mit Freud' oder Schmach.
Nichts sei Dein Name in mir
als herrlicher Glanz."
Und ich zerbrach!

  Ich hab Dir getraut,
schon schab ich mit Scherben
den Schurf meiner Haut.
Ach, könnte ich sterben
und Asche nur sein!

  Der Rat meiner Freunde,
was brachte er ein?
Alle Tröstung vergällt.
Ihr Ratschluss nur Schein.
Ihr guter Wille sah Deine Größe nicht ein.
Nichts hat er erhellt,
nichts mir lindernd verschafft.
Wie wuchs meine Pein,
wie schwand meine Kraft
durch ihr Reden allein.

  Ich hab Dir getraut,
schon schab ich mit Scherben
den Schurf meiner Haut.
Ach, könnte ich sterben
und Asche nur sein!

  Ach, ich Tadler,
was hab' ich getan?
Den Höchsten zu richten,
stand mir nicht an.
Mein Rat war verdunkelt,
die Lenden so nackt ...

  Und doch, mein Verworten
hat sich gelohnt.
Hab' mich im Schmerz ausgegossen,
meinen Bildgott so stolz
nicht weiter geschont,
im Staub ihn verschlossen.

  So kamst Du, Wortgott, im Sturm
meines Stammeln's mir nah'.
Dein Da ist jetzt hier
Deine Antwort sie ist
ein Teil jetzt von mir.
Durch Dein Reden, o Herr,
hast Du dich gezeigt,
Dich mir geschenkt,
das Ohr mir geneigt,
hast durch Drangsal und Druck
mich in Dir versenkt.

  Wie wahr ist Dein Wort
wie weit und wie schön!
Es verspricht im Leiden die Schuld,
ist treu in Geduld,
lässt aus verstotterten Sätzen
Wahrheit entsteh'n.
Ja, der, der mein Dunkel zerbricht,
versilbt sich in lebendigen Worten für mich.

  Doch ich Hörsager kannte Dich nicht!
Nun aber ist meines Leibes Lampe entbrannt,
hat ob all ihres Dunkels verwundert
Dein Quelllicht erkannt.

11.01.2015    



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© WolfgangJohannesWelk ( wjw@reimquelle.de )

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