Bruder Jona (Buch Jona)


Wenigstens siebenmal am Tag
besteige ich ein Schiff nach Tarsis,
nehme ich Flügel der Morgenröte,
um Deinem Augenblick zu entfliehen,
gehe ich bis zum zum äußersten Meer
wie mein Bruder Jona.
Auch er wusste: Gott ist gut!

  Wieder und wieder verliere ich mich
im Sehsturm und in der Bilderflut.
Mit jedem Flügelschlag zerschellt
mein Fluchtschiff im Weltmehr.
Stürze ich aber in der Flutfalle,
schickst du mir den rettenden Raubfisch-
wie meinem Bruder Jona.

  Schauderschilf durchschlingt meine Gedanken,
rüttelt an meinen Fundamenten.
In meiner Atemnot lasse ich alle Luftblasen los,
so findet mich in der Tiefe ein Dankgebet.
Dort in der Dunkelkammer opferwillig
geht mir Dein Licht auf
wie meinem Bruder Jona,
der sich nach Geistesgegenwart sehnte
mehr als nach allem anderen.

  Im Schlundschatten soll niemand bleiben!
Dein Lichtblick befiehlt mich zurück aufs Festland,
mir, mich hin zu bewegen und Segen zu hegen in meinem Ninive.
Aber Dein Anderssein wächst mir bald über den Kopf,
wie der Rizinus meinem Bruder Jona,
der seine Gedanken noch gegen die pralle Sonne sandte
und dem Licht zürnte,
dem seine Schattenstaude näher stand
als die Menschen
selbst dann noch,
als das Wirken des Wurms
schon längst vorüber war.

9.01.2012    



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© WolfgangJohannesWelk ( wjw@reimquelle.de )

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