Streuobstwiese


Im hohen Gras der Streuobstwiese
trafen sich der Jobst und seine Liese
hinten auf dem stillen Hain
zum wöchentlichen Stelldichein.
Es war heiß und auf den gelben Blumenkronen,
in denen all die süßen Träume wohnen,
sah man Schmetterlinge, Bienen, Hummel
emsig sich beim Saugen tummeln.

 
Bild: Streuobst01 (Quelle: pixabay.com)

So sprach denn auch zum Jobst die Liese:
"Wie wär's, wenn ich dir etwas bliese
auf dieser schönen Streuobstwiese?"
Darauf der Jobst: "Liebste Liese, nicht das ich das nicht genieße,
nur leider führt dein tägliches Geblase
bei mir nicht mehr zur Ekstase.
Ich hab' nur das Gefühl, dass ich die Flöte
durch dein Spiel so langsam töte.

  Zudem scheint mir mein Geschieße auf die Wiese zwar verzeihlich,
aber letztlich unerfreulich und vergeblich
und ich mein' das gar nicht überheblich.
Viel lieber würd' ich gerne oben an den Beinen,
tief hinein in dich und mich vereinen.
Sicher kämst du auch in Bälde
auf diesem schönen Streuobstfelde."

  "Mein lieber Jobst, das könnte dir so passen,
mich einfach unten anzufassen.
So etwas hat, wie jeder weiß,
trotz Streuobstwiese seinen Preis.
Willst du sie, dann nimm auch mich,
ansonsten machst du keinen Stich.

  Zum Beweise deiner Liebesambition
steig' hinauf in dieses Apfelbaumes Kron'
und pflück vom höchsten Zweige mir
den Apfel dort zu meiner Ehr' und Zier.
Und damit dabei kein Stolz dich packt,
mach das Ganze bitte splitternackt.
Bei diesem Apfel schwöre mir dann ewg'e Treu'.
Dann aber habe keine Scheu,
sollte das alles dir gelingen,
seh's ich als Himmelszeichen an,
liebend in mich einzudringen."

  Da muss der Jobst erst kräftig schlucken
und denkt: "Wer schießen will, kann sich nicht ducken!"
"Gut", meint er. "Mir sei dein Wunsch befohlen.
Wie Eva werde ich den Apfel dir vom Baume holen
und schwör' im Anschluss dir meine Liebe unverhohlen.
Aber im Geheimen denkt er sich: "Zuerst bums ich dich
und danach bleibst du mir gestohlen."

  Er schickt sich an und gibt das Beste.
Schon steht er da in Adams Weste
und greift nach des hohen Stammes Rinde
auf dass er darin Halt und Vorschub finde.
Liese unten auf der Wiese unterdessen
fängt an genüßlich Obst zu essen
und mit ihren roten Lippen
neckisch den süßen Saft zu nippen.
Dann blicket sie zum hohen Schaffte hin
und ruft ihm neckisch zu im leichten Sinn:
"Gib bitte acht auf deinen Stutzen,
du willst ihn heute noch benutzen!"

  "Danke für den guten Rat. Sehr witzig
in der Tat, die Rinde ist tatsächlich spitzig",
ruft er hinab in seinem Leiden
und sieht die Liese sich entkleiden,
was ihn an den Hörnern packt.
Ja, fast schon ist sie splitternackt
und greift sich keck an ihre Brüste.
Unerträglich werden die Gelüste,
ja wie Feuer brennt's in seinen blanken Lenden
und tausende Hormone senden
ihre wilde Männermast
und so hechtet Jobst
von der Liane ganz erfasst
wie Tarzan einst von Ast zu Ast.

  Als er dann schließlich oben angekommen
etwas schwindlig, leicht benommen,
blickt er über Land und Liesen,
um ihre Schönheit zu genießen.
Über ihm am höchsten Zweig im Apfelbaum
hängt Adams Fall und mit ihm der schönste Männertraum
sonnenwarm, gereift und prall.

  Er reißt ihn ab mit Zweig und Stengel.
"Wahrlich, Liese ist kein Unschuldsegel
und eigentlich", denkt er gerade,
"ist dieser Apfel viel zu schade
für jemand, der wie einen Affen nackt
mich nach oben in die Wipfel jagt.
Das Beste darf sie so nicht haben,
soll'n sich die Wespen daran laben!"

  Gesagt, getan, er klemmt den Apfel in des Baumes Speichen,
findet einen andern, kleinen, bleichen
und steigt hinab mit schadenfrohem Pfeifen
fröhlich durch des Baumes grünes Reifen.
Nur sein blankes Hinterteil
brennt vom Klettern alldieweil.

  Unterdessen wartet Liese auf der Wiese frank und frei,
sich freuend, dass Apoll' gleich bei ihr sei
den Apfel bringend ihr als Liebeszeichen.
So kann getrost die Unschuld weichen.
Und schon landet Jobst
mit wunden Backen und dem Obst
vor ihr auf dem Streuobstfeld
in der Erwartung, dass der Held
nun gebührend Lohn erhält.

  Er legt sogleich als Zeichen seiner Lust
ihr den Apfel auf die Brust.
Und spricht: "Diesen Apfel leg' ich Holde dir zu Füßen
aus dem Elysium hoch mit besten Grüßen.
Ich trotzte Tod und viel Gefahren.
So, jetzt können wir uns paaren."

  "Ich hab' mir deinen Apfel grösser vorgestellt!
Mehr Farbe und nicht so blass und aufgehellt.
Bist du sicher, dass es jener war,
den ich auch von unten sah?
Gib zu, du stiegst nicht hinauf in die höchsten Himmelssphären,
nur um dich früher zu vermehren.
Zudem, ich muss dich weiter stressen,
hast du das Schwören noch vergessen."

  "Oh liebste Lies', bei meiner Ehre
dies ist die Frucht, ich schwöre,
die dein Herz so sehr begehrte,
die ich dem Himmel flugs entzerrte
alleine nur für dich –
des Himmels Strafe treffe mich.
Ja, es soll mich Evas Waffe rächen,
sollte ich nicht die Wahrheit sprechen."

  "Nun gut, Verliebter, ich glaube dir.
An Ort und Stelle schwöre mir,
dass ich dein einz'ges Weibe
sei und immer bleibe.
Nur mir gelte deines Stabes Streben.
Schwör' es, dann will ich dir mein Leben
und obendrein all meine feuchten Schätze geben."
Sie spricht und streichelt ihre Äpfel aus Granat.
Die stehen offen zum Verzehr parat.
Sogleich spürt Jost ein sanftes Heben in der Lende
ohne eig'nes Zutun, ohne fremde Hände
schickt sich sein Bewußtsein an, sich zu erweitern
mit dem Ziel, sich verströmend zu erheitern.

  Ihr Mund indessen kündet zeichenhaft ihr Wollen
und schon lässt sie den Apfel rollen
ungeniert nach Evas Sitte
tief hinab in ihre off'ne Mitte.
Jobst steht davon wie geblendet.
Gut, dass der Apfelbaum noch Schatten spendet,
sonst müsste er nach all den Mühen
und ihrem Anblick glatt verglühen.

  Er fällt vor ihr auf die wunden Schenkel.
"Ich schwöre dir bei unsrem Enkel,
du bist die einzige in meinen Gauen.
Nie werd' ich eine and're Schauen
oder gar erkennen.
Will dich immer mein Herz und eigen nennen,
so lang' ich bin und walte.
Ja, Liese, für immer bleibst du meine Alte."

  Tief gerührt, den Tränen nah
spricht Liese: "Ist das wirklich wahr?
Du willst mich bis ins Grausein ehren!
So komm, ich will ich mich jetzt mit dir vermehren.
Sie zieht ihn nah zu sich herab,
deckt ihn mit Küssen zärtlich ab
und öffnet gänzlich ihren Schrein.
Jost will sofort hinein.
Doch vom Rücken zieht er noch zuvor
die Hand, mit der er seinen Meineid schwor.

  Gelobt sei Gott in solchen Stunden,
der das Liebesspiel erfunden.
Und wem solches schon mal widerfuhr
frei und blank in der Natur,
der bedenkt und ahnt es allzumal:
So schön war's ständig vor dem Sündenfall.
Und darum wähnen Jobst und Liese
sich auch im Streuobstparadiese
und sie genießen den Moment,
der scheinbar nur ein Ende kennt.

  Doch auch die Schlange lebt im Streuobstparadies
und ist nach wie vor so fies
wie zu Adams besten Zeiten,
um allen Übles zu bereiten,
die in Liebesdingen sich ergehen
sei es selbstlos oder auch im Stehen.
Im hohen Gras sehr gut versteckt
hat sie schön Böses ausgeheckt.
Was übrigens bei diesem Paar
und in diesem Fall nicht schwierig war.
Denn wer ihn zu sehr brüßkiert
und sie belügt ganz ungeniert,
dann läuft dort sicher etwas schief,
dann wird die Schlange kreativ.

  Im Endspurt liegen beide schon,
man hört's genau am wilden Ton,
der durch das bunte Streuobst dröhnt
und just als Jobst archaisch stöhnt,
fällt die am Baum verschmähte Apfelpracht
mit Wucht hinab und das nicht sacht
mitten hin in Lieses nackte Scham,
noch bevor der Jobst so richtig kam.
Ach, was war das für ein Terz!
Liese krümmt sich da vor Schmerz.
Jobstens Großer wird auch sofort klein
und weigert sich partout zu spei'n.
Schnell löst man sich aus dem Umarmen.
Doch die Schlange hat noch kein Erbarmen.

  Aus dem Apfel saust jetzt wutentfacht
ein Wespenpaar wild aufgebracht.
"Wer stört da ihre Hochzeitsnacht?"
Der Schuldner ist schnell ausgemacht.
So kommt es dann im wilden Rausch
überraschend schnell zum Partnertausch. Er sticht mit seinem Spitz
sie direkt in den Lippenschlitz.
Und sie wahrlich auch nicht zimperlich
gibt seinem Penis einen Stich,
der daraufhin sehr schmerzhaft schwillt
und giftgetrieben zu unerhörter Größe quillt.
Doch leider ist nicht alles, was da groß und schwer,
auch geeignet zum Verkehr.
Die Übeltäter fliehen unterdessen,
was der Tat wohl angemessen
hoch in des Baumes sicheres Geäst,
wo man verstört sich niederlässt.
Ist doch der Stich in's fremde Genital
selbst für Wespen nicht banal!

  Für Liese ist das alles nicht beglückend.
Die Wiese scheint ihr jetzt erdrückend.
Zudem schmerzt ihr Untenrum,
ist entstellt und kummerkrumm.
Traurig drückt sie sich die losen Brüste ins Korsett
und spricht: "Wärst du mal so nett
und reichst mir meinen Schlüpfer rüber?
Der liegt dir gleich gegenüber.
Jobst wirft mit gesenktem Schuldnerblick
des Mannes liebstes Seidenstück,
die begehrteste Trophäe
wortlos hin in ihre Nähe.
Dann zieht er an sich hoch die vormals lose,
jetzt viel zu enge Unterhose.

  Das war's dann wohl mit Jobst und Liese,
sie stecken tief in einer Krise
mitten in der Streuobstwiese.
Nur die Schlange lacht im Gras,
hat sie doch einen Heidenspass.
Denn wenn Mann und Frau sich streiten,
dann hat die Schlange gold'ne Zeiten.
So faucht dann auch die schwer Verletzte:
"Jobst, du bist für mich das Allerletzte,
wie konntest du mich so belügen,
mich schamlos auszunutzen und betrügen.
Ich wollte einen Herzenskuss,
du nur einen schnellen Schuss.
Such dir eine andere zum Spieletreiben!
Mir kannst du gestohlen bleiben!"

  "Red' du nur! Ich bin doch nicht dein Hampelmann,
mit dem man nach belieben spielen kann.
Schickst mich nackend in die Äste
und wunderst dich, dass ich nach dieser Geste
in mir drin' vor Wut wild bebe
und meinen Frust an dir auslebe.
Hättest du mich mehr geehrt,
wär' jetzt nicht alles so verquert."
"Ach ja, alle Schuld auf mich zu schieben,
seit Adam ist das alles gleich geblieben.
Ihr Männer zieht euch immer raus
und wir baden dann die Sachen aus.
Der Himmel soll dich strafen,
ich werd' nie wieder mit dir schlafen."

  Kaum ward's gesprochen,
ist aus der hohen Krone ein weit'rer Apfel abgebrochen
und ist im schnellen Bogen
dem Jobst ungelogen auf seinen kahlen Kopf geflogen
und von dort, unter Jobstens Schreckgeschrei
abgeprallt ins hohe Heu.
Wie versteinert steht er da in seinen Socken,
als vom Dorfe her die Kirchenglocken
über die grünen Halme schallen als Applaus für das gekonnte Apfelfallen.
Nach einer kurzen Schrecksekunde
prustet Liese los aus vollem Munde.
Sie wirft sich auf das Wiesenfeld,
wo sie sich lachend ihre Brüste hält.
Auch der Jobst muss plötzlich grinsen.
Die Sache ging zwar in die Binsen,
doch scheinbar ist trotz schlimmer Banden
für den Himmel noch nichts ausgestanden.

  Die Schlange unterdes blickt irritiert,
als des Apfels Spur im Grase sich verliert.
Sie weiß nicht recht, was sie davon halten soll,
so stand das nicht im Protokoll.
Ihr schwant nichts Gutes mehr für diesen Tag.
Und kaum, als der letzte Glockenschlag
durch die Streuobstwiese streift,
meint der Jobst: "Sorry, ich habe mich zu sehr versteift"
und presst ein "Tut mir leid" heraus.
Für die Schlange, die es hört, ein wahrer Graus,
denn jedes noch so kleinliches Vergeben
konterkariert ihr böses Streben.
Auch Liese meint: "Ich tat nicht recht.
Dich dort hoch zu schicken war echt schlecht.
Ich weiß nicht, was mich dazu trieb.
Eigentlich habe ich dich innig lieb."
Komm' wir vergessen diese Krise
und kehr'n zurück zur Streuobstwiese."

  So was kann die Schlange nicht ertragen.
Denn wenn sich Paare wahre Worte sagen,
die das Herz umwehen und durchziehen,
muss sie fort und hin ins Dunkel fliehen.
Man hört nur noch ein leises Fauchen,
niemand sieht sie untertauchen.
Jobst indes zögert noch und zagt.
Seine Ehre ist schon ziemlich angenagt.
Wenn er jetzt in die Wiese taucht mit diesem Frauenzimmer,
kommt es später vielleicht schlimmer.
Und was, wenn die Geschlechter kommen wollen
und beide sind von Stichen derart aufgequollen,
dass ein liebend sich Vereinen
schmerzlich brennt zwischen den Beinen?
Doch Liese hat das bess're Argument:
"Komm", sagt sie, "die Kleine brennt.
Zeig' ihr deine Größe, deinen Schönen,
komm, wir wollen uns verstöhnen,
uns im hohen Gras der Wiese reich verwöhnen,
uns ineinander ganz verstreuen und auf's Neue uns versöhnen!"

  Was kann man da als Mann noch sagen?
Jobst gibt gerne sich geschlagen
und sinkt zu ihr hinab auf feuchten Grund
und liebkost, was weich und rund.
Mehr sei darüber nicht geschrieben,
denn niemand geht es etwas an,
wenn zwei sich lieben.

 
Bild: Streuobstwiese01 (Quelle: pixabay.com)


14.08.2018    



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