Schwesterherz


Wer eine Schwester hat – kein Scherz –,
der hat gut lachen.
Denn so ein Schwesterherz
kümmert sich um Sachen,
die würden Brüder niemals machen.
Denn der Bruder so im Allgemeinen
neigt mehr zum Groben als zum Feinen.

  Beispielsweise dieser grüne Drachen,
den sie aus Sperrholz wunderschön gebaut,
erfreut den Bruder beim Erwachen,
wenn der hoch zur Decke schaut.
Der Vogel schwebt dort über allen Dingen,
weil ihm vor der Landung graut
und erzählt mit sanften Schwingen,
dass unten in der Arnulfstrasse
sich wieder mal ein Laster staut.

  Oder würden ihre Brüder Fotoalben
kreativ gestalten und verzieren
mit Blumen, Pilzen oder Schwalben?
Nein, sie würden sich genieren
und es wäre ihnen ein Verdruss.
Doch meine Schwester kann darin brillieren
und betreibt es mit Genuss.
Gerne gibt sie ihre Künste ihrem Garten weiter
und stimmt die Kinder damit heiter.

  Auch gibt es manchmal die Tendenzen,
dass Talente die verteilt
sich geschwisterlich ergänzen.
Während bei ihr der Pinsel locker eilt,
kann der Bruder mit den Worten glänzen.
So entstehen dann Geschichten
wie z.B. der Schlapporius,
von dem die Enkel noch berichten,
weil er ein wahrer Kunstgenuss.

  Natürlich gab es auch mal Krisen
oft auch schmerzlicher Natur
und bis heute ist nicht nachgewiesen,
was damals in den Bruder fuhr,
als er der Schwester aus Versehen
oder ließ er's fallen mit Bedacht
auf ihre kleinen, nackten Zehen
das Gitter von dem Kellerschacht?
Ach, was war das für ein Brüllen
auch vom Bruder, der gezüchtigt
vom Vater der dafür berüchtigt!

  Ja, das Indianerspiel, davon hielt Beate viel.
Und jeder Bruder – ungelogen –
hält in diesem Alter seine Schwester für ein gutes Ziel
und überspannt mal seinen Bogen.
Er wollte sie ja nur ein wenig hetzen,
den Pfeil nur knapp neben ihre Füße setzen,
sich nur ein wenig rächen fürs Verpetzen
und, nein, sie auf keinen Fall verletzen.
Doch leider ging der Schuss voll in die Ferse,
das Geschrei darauf fast in's Perverse
auch vom Bruder, der gezüchtigt
vom Vater der dafür berüchtigt!

  Ach ja, was habe ich noch nicht benannt
in meiner Schwester langem Leben?
Vielleicht, dass sie mit Mathe sehr auf Kriegsfuss stand.
Irgendwie so schien es, war ihr das nicht gegeben.
Trotzdem hat sie mit Bravour
sich ihren eigenen Weg gebahnt
so kreativ, so stark und stur.
Auch dass der Mike ihr widerfuhr,
war von keinem so geplant
und hat kein Bruder je geahnt.

  So, mein Schwesterherz,
was bleibt jetzt noch zu sagen?
Es geht immer weiter himmelwärts
und mit 50 braucht man noch nicht klagen!
Klar hat man sein Fett schon abbekommen und die Falten
und manche graue Zelle
braucht sehr lange schon zum Schalten
und erregt sich kaum mehr von der Stelle.
Trotzdem meine ich, hast du dich gut gehalten
und rückst noch mancher Jungen auf die Pelle
vor allem, wenn sie Le- und Laura heißen
oder sich an deinen Michi schmeißen.

  50 Jahre gut gemacht, kann man nur konstatieren.
Bleibe wie du gerne bist
und solltest du mal Sehnsucht spüren
oder ist dir einmal trist,
dann denke an dein Bruderherz,
ruf einfach an, das ist kein Scherz.

7.10.2018    



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© WolfgangJohannesWelk ( wjw@reimquelle.de )

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