Lockige Kurven


Ach, wie locken die Kurven und Formen,
wenn sie nur mäßig verhüllt.
Je enger die Fäden, je weiter die Normen
umso mehr wird das Becken gefüllt
und ich spür' wie der liegende Löwe
in mir sich hebt und bitterlich brüllt:
"Seht her, ich bin stark, ich bin wild!"

  Ach, wie gern würd ich nippen und naschen
von all diesem süßen Gebäck.
Mir füll'n alle Säckchen und Taschen
nur so ohne höheren Zweck.
Und müsst' ich den Löwen
danach auch waschen,
es scherte mich einen Dreck.

  Aber ach, wie weit kann ich gehen?
Die Fülle ist niemals ganz hier,
die Fülle ist immer nur dort.
Kaum öffnet man die hautenge Tür einen Spalt
-der Löwe nimmt es als Sport –
so ist die Fülle dahinter gleich wieder fort.

  Aber ach, wie wild wird danach das Rasen.
Niemals lässt's der Löwe mit einmal bewenden.
Nach all dem Stechen und Blasen
wollen die Türen einfach nicht enden.
Der Löwe voran, ich hinterher,
die kurvigen Formen quälen mich sehr.
Frei kann ich schon lang nicht mehr walten,
stecke verschlossen in Zwängen und Spalten.
Doch weh'e mir, ich kann den Löwen nicht halten!
Er will, er will immer mehr
und mir würd' die Liebe erkalten.

17.12.2012    



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© WolfgangJohannesWelk ( wjw@reimquelle.de )

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