Du gehst



Bild: FrauTuer01 (Quelle: pixabay.com)


Du gehst und lässt mich leer zurück.
Wie wird's so finster mir und flau!
Du gehst und mit dir geht mein ganzes Glück.
Noch atme ich aus deinem holden Hauch,
durchglimmt mich noch ein sanftes Grau.
Schnell entfleuchst du mir wie Rauch.
Mir bleibt nur noch dein süßer Schmauch.

  Du gehst aus uns'rer Liebeskammer.
Wie versiegt mir schon der Lebensfluss.
In mir erhebt sich Schmerz und Jammer:
"Schönste Maid, verweile noch bei mir!"
Doch wortlos ohne Abschiedskuss –
mein Laken duftet noch nach dir –
schwindest du und nimmst die Tür.

 
Bild: FrauFenster01 (Quelle: pixabay.com)

Du gehst und schlimmer noch:
Wem drückst du da die Klinke in die Hand?
Welch' Grauen zwängt sich durch der Laibung Loch?
Das alte Weib mit tausend Falten.
So häßlich trennst du unser Liebesband?
Du räumst dein Feld der bösen Alten,
schenkst mich ihrem wirren Walten.

 
Bild: Fraualt01 (Quelle: pixabay.com)

Sie kommt und giert mich an mit Blicken.
Wie blutleer sind doch ihre Lippen.
Ich weiß, sie wird mich mächtig ficken.
Ich fühl' wie Schauer mich durchwallen,
schon fängt sie an an mir zu nippen.
Ich spür wie ihre Hände mich umkrallen,
spür' bodenlos die Kräfte fallen.

  Sie kommt und treibt mir ihre Zunge in den Mund.
Wie ekelhaft ist dieses Reiben.
Alles rötet sich und feilt sich wund.
Ihr Speichel schwemmt den Rachenraum
und will nicht in mir bleiben.
Sie weht durch mich als böser Traum,
hält mich in ihrem Zitterzaum.

 
Bild: Fraualt01-1 (Quelle: pixabay.com)

Sie kommt und fährt mir in die Lenden.
Wie schamlos ist ihr harter Griff.
Gekrümmt muss alle Lust verenden.
Schweiß flutet mir ins Angesicht,
so schmerzlich ist ihr Klammerkniff.
Sie hüllt mich ein ins Dämmerlicht,
durchschüttelt mich mit Frost und Gicht.

  Sie kommt zum Höhepunkt.
Wie weidet sie sich wild an meinem Winden.
Ich schrei, wenn ihr fauler Finger in die Wunde tunkt.
Sie stöhnt vor Lust, wenn mir im Wahn die Sinne siechen.
Wann endet dieses quälerische Schinden?
Ach, ihr Gestank, ich mag ihn nicht mehr riechen,
will ganz im Tode mich verkriechen.

  Du kommst ganz unerwartet in mein Fieberglühen.
Wie reißt du meinen Himmel auf ins Blau.
Die Alte flieht entsetzt vor deinem Blühen.
Du trägst ein Kleid aus feinstem Flieder
und duftest nach der frischen Au.
Ich drück' mich fest und immer wieder
tränenreich und voller Gier in deinen Mieder.

 
Bild: FrauEngel01 (Quelle: pixabay.com)


Du kommst und mit dir alles Leben.
Welch Labsal findet sich in deiner Brust!
Mit dir will ich mich verweben,
will unser Lager fein bestellen
als sich'ren Hort für unsre Lust.
In deinen Schenkeln kann ich überquellen,
in deinen Armen über Schluchten schnellen.

  Sie kommt, du gehst so schnell.
Was vermag dich nur zu halten?
Ich habe Angst, mein Lebensquell
entjüngt sich ohne Wiederkehr,
versiegt mir in der bösen Alten.
Schönster Maid, was setzt du dich zur Wehr?
Gesundheit, wie herzlich ich dich doch begehr'!

 
Bild: Frau03-1 (Quelle: pixabay.com)

10.02.2018    



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