Damals


Damals, als alles noch nah war,
spielte ich im Schatten des großen Baumes.
Mit seinen mächtigen Armen hielt er
den blauen Himmel für mich fest.
In seinen Ästen wohnten Schmetterlinge,
die bis ans Ende der Welt
und sogar bis zum Mond fliegen konnten.

  Damals, wenn ich müde war,
legte ich mein Haupt in den Schoß
der weichen Wiese
die mich überall umgab,
ließ mir von ihren sanften Halmen
durchs Haar streichen
so lange, bis ich im Traumland
angekommen war.

  Damals, als alles noch da war,
kam der Krieg am Ende eines Traumes,
warf Feuer und Angst über
uns'ren Zaun,
kam mit spitzen Hacken und Zacken,
fällte den großen Baum,
versengte die Wiese mit
glühenden Kohlen und riss
alle Schmetterlinge vom Himmel.

  Damals, als ich erwachte
auf verbrannter Erde im dichten Dunkel,
war der blaue Himmel geflohen
vor Entsetzen
und weil keiner ihn mehr festhielt.
Ich las die Schmetterlinge vom Boden auf
und füllte damit meine Taschen
als Erinnerung
an die Wiese und den Baum.

26.07.2010    



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© WolfgangJohannesWelk ( wjw@reimquelle.de )

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