Da oide Sepp



Bild: oidaSeppIntro (Quelle: Englmaier)



Kapitel 1: Vorfreid

  Auf eina Hüttn, hoch drom am Firnschneeanger
do lebt da oide Sepp scho lang alloa.
Sei Frau, as Marei, de is lang scho ganga –
er macht darum koa grässas Gschroa !
Nur, da Winta hod eam seit dem in da Zanga;
"aba mei, ma muas hoid weidadoa!"

  So konn er jetz ois saiba richten,
d'Wesch aufbügln, Hoiz aufschlichten,
Kucha bacha, Doch abdichten.
Bettn macha, Hei aufschichtn.

  Zwoa Kia, drei Katzn und a Hund san zum versorgn.
Des hoast, da Arko der is unlengst gstorm –
und an Neian woit' er ned.
Ma woas ja nia wia's weida geht.
A kloana Trost war hoid der Hund;
Kinda warn eam ned vagunnt.

  Diam, is er scho viua auf si alloanig gstaid.
Gar seltn, dass a Bsuach se zubagsaid.
An 90'ga hod er's letzt' Jahr grissen.
Wer daad eam do noch recht vermissn?
Vui san ja nimma do aus seina Zeit.
Wenn übahaupts, dann sans jetzt oide Leid,
de damois mit eam otretn san.
Und saibst wann's fit warn, dann und wann
nix mehr groß's zareißn kenna –
geschweige denn, zu eam do herauf renna.

  Er woas genau, es weard nix bessa wearn,
doch er wui se net beschwern.
De Arbeit geht no von der Hand,
langsam zwar, doch mit Bestand.
Und zum Jammern gibt's koan echt'n Grund.
Im großn ganzn is er g'sund.
Zwar lasst de Kraft scho manchmoi aus.
Dann setzt er se in aller Ruah,
mit seiner Pfeif'n vor sei windschiafs Haus.
Dankt an Herrgott für den Blick und de Natur,
und denkt: "des Berglebn is de beste Kur".

  Früher hods eam öfters no im Jahr
obizogn ins Tal und zu de Leid –
aba heid?
Der Weg is schwar und ziemlich weit
und, wia gsogt, da er kaum no eppan kennt
rentiert se's net, dass er soweit no obe rennt.

  Am Christdog jedoch, jedes Jahr beizeiten,
treibts eam aus seina Hüttn raus
zu de Kinda unt' im Waisenhaus –
mit an Rucksog foia Kloanigkeiten.
"Hoffenlich doans dann ned wieda streitn"
denkt er se, und lasst die Tüa ins Schloss neifoin
und is scho unt'n auf der Leitn.
Da Schnää knirscht eisig unta seine Soin.

  "Wia oft bin i den Weg scho ganga,
wia oft wear i den Weg no geh?
Do, er ziagt se wia a Schlanga,
durch den winterweißn Schnää".
De Flockn danzn lustig üban Firn,
de Sonn durchleicht sei ganze Wäid
und er spüad, wia se hinter seiner Foitnstirn,
Schrid um Schrid da Horizont aufhaid.

  "Na, es ko nix Scheenas gem
ois auf de Berg herom zum lebn".
Denkt se da Sepp und is se gwies,
das auf da Wäid nix bessa is.
Do, auf jedem Zweigal hockn
hunderttausende von Flockn.
Spiaglns Liacht mit ihra koidn Haut,
bis ois dann, im Fruahling wieda taut.
Doch bis dohi daucht der frische Flocknkreis
des ganze Land ins Wundaweiß.

  "Mei Marei, wia gern daad i jetzt mit dir sei,
a Zwiesprach haltn fromm und frei
und passn wos in oam passiert –
dei Lacha, war so herzlich ungeniert".

  Do vorn gead scho da Tannwaldsteig,
ab vom Weg und durch de Ast,
dann, hinta dera grousn Feichtn,
macht der Sepp sei erste Rast.

  An Surspeck und an Kantn Brot,
a Scheierl Kaffe aus der Thermosflaschn.
Vom Klätznbrot a bisserl naschn,
so kimmd de Kraft wieda ins Lot.

  Grod ois er wieda zamma packt
land a Rab vor eam und hackt
mit seim Schnobe in sein Schuah.
"I glaab fei ned, dass i des mecht.
Wos wuisst denn du, mei liaba Specht?
An Hunga host, ja is scho recht.
Do host a Stückal Klätznbrot,
des huift da erst moi aus da Not."
Doch anstatt des Klätznbrot zum packa,
flattert er auf Sepp sein Huad
und fangt dort wieda o zum Hacka –
der traut se wos, ja der is guad!

  Jetzt kriagt sogar da Sepp a Wuat:
"Geh härst ned auf mit deina Pickarei!
I moan, du treibst as ziemlich dreist.
Faid grod no, dass'd du mir obndrei,
no a Ladung auffescheißt.
Wart, i pack die am Schlawittl,
an deim schwarzn Federkittel"...
Doch no bevor der Sepp eam packa ko,
is er auf, und fliagt davo.

  Und macht dabei a recht a Schreiarei.
"Des weard da doch koa Zeichn sei",
sinniert da Sepp und is scho wieda auf da Reibn.
A seatsams Gfui wui trotzdem bleim.
Gedankenschwar is jetzt sei Weidaschreitn,
de Zeit varrinnt im Flug, so kimmds eam vor –
dann dringt vom Dorf as Zwoifeleiten an sei Ohr.

  Zum Lenal is's jetzt nimma lang.
"Se werd scho warten ziemle bang,
bis da Firmschnäanger-Göd
endlich in da Tür vom Waisnhäuserl stead".
Ja's Lenal is a guade Haut.
De Waiskinda hams ihr anvertraut,
vom Dorf, weils saiba koane Kinder hod.
Füa an Mo war se ned d'schod..
Doch koana is zua ihr mehr kemma,
se muasst' ihr an Hax obnema.
Am Drescher hod's ned obacht gebn.
Jetz is gebrandmarkt füa ihr Lebn.
A schweres Schicksoi für a junge Dirn,
dochs Lenal hoit eam frech de Stirn.
Freindle is, hod os guad gschafft,
da Herrgod is ihr grosse Kraft.

 
Kapitel 2: Weihnacht

  Scho biagt da Sepp ei in de Glockngassen,
sei Ziel am End von dera Straßn,
schaut imma no recht schäbig aus.
Dann klopft er an de Dia vom Waisnhaus:
"I bin's Lenal, mach glei' auf.
Lass an oidn Mo schnai rein,
der daad se nach dem weidn Lauf,
recht sakrisch auf a warme Suppn g'frein."

  "Mei Grüass de God Göd, schee, bist endlich da
I hob mir Sorg'n g'macht, und des ned z'rar.
Guad schaugst aus mit deine 90 Jahr –
rüstig und no imma frisch.
Komm rei, de Suppn wart' scho auf'm Tisch.
Drin is bachal warm,
lacht, und nimmt eam untan Arm."

  "De Suppn, de war sakrisch guad.
A Kraft gibts und an neian Muad.
Jetzt sog Lenal, wo san de Waisnkinda blos?
Stai glei an Rucksog auf mein' Schoß
damit i fleißig austeiln ko –
vom Zwetchgnmandal bis zum gschnitztn Ross."

  "Mei, do wearn se meine Kinda gfrein.
Des ganze Jahr red'ns scho davo.
Des Lisal, de Franze und da klone Kain
und de drei Greassern sowieso."

  "Wiaso nur sechse? Siebne sans doch Letztjahr gwesn,
hod se eppan no für oans dabarmt?"
"Schee wars..., duast denn du koa Zeitung lesen?
Da Typhus hod an Max umarmt
und nimma von eam lassen –
i konns imma no ned fassen!"

  Da Sepp schaut jetz ganz draurig drei..
"Ja, wia dearf denn so wos sei?
So jung des Lebn und scho vorbei?
Er schnauft und rauft' se seine Haar.
Jetzt weards eam sicha bessa geh...
da Herrgod gibts, da Herrgod nimmts,
wer ko sei Woidn scho vasteh?"

  Plötzlich segt da Sepp zwao grouse Augn,
hintan Tüaspoit vieraschaugn.
"Deafan mia scho eina kemma?
De Franzi sogt: es war soweit.
Ich deaf ma aba meins ois ersta nemma,
weil i g'fragt hob vor da Zeit."

  Do lacht da Sepp aus tieafsta Söi.
"Ja freili, kemmts nur eina auf da Stai.
Und imma sche brav nach der Reih,
zuerst de Dirndl dann da Kai –
und dann de jungan Mana, oans zwoa drei.
Kemmts nur her und machts koa Gschrei".

  Doch as Lenal moant: "Lasst's eich no Zeit,
des Lisal hod doch ebbas vorbereit.
Wia hoffan recht, dass di des gfreut.
Lisal komm, es is soweit."

  Mei wia moga is de kloane Maus!
Und totzdem schaugt's fast wia a Engal aus,
in ihram langan, linnan Gwand.
As Lenal hoit's jetzt bei da Hand
und stupsts leicht o,
ois Zeichn, dass jetzt loslegn ko.

  "Liaba Opa Sepp!
Weil's i scho so lang mid mir schlepp,
trog i dir vor jetzt ein Gedicht,
von da heilgn Weihnachtsgschicht.
Da Matthäus hod ois nieadagschribn,
sonst war vielleicht davo nix übrigbliebn.
Doch dank eam do wiss'ma gwies,
wias unsam Heiland ganga is.
I bitt' de aa, reg' di ned auf,
wenn i manchmoi aufgregt schnauf."

  "Koa Angst, i wear de scho ned fressn.
Hauptsach is, du duast koa Versal ned vagessen.
Fang grod o i bin scho g'spannt
wias damois war im Heilgn Land."

  D'Maria war, des woas ma gnau,
vom Joseph quasi scho de Frau.
Nia is da Joseph zu ihr eine ganga,
doch plötzli war d'Maria schwanga.
Da Heilge Geist, mid seinem wuidn Wesn,
is alloanig schuid dro gwesn.

  Da Joseph war a brava Mo,
und hod ihr nix zuleide do.
Hoamle woit er's weida ham,
ohne Schand und ohne Gram.

  Doch dann im Dram, diaf in da Nacht,
steht a Enge do, in voller Pracht.
"Joseph, Sohn Davids, hob koa Angst,
dass'd mit Maria diam in Dreck neilangst.
Nimm's auf wia's dia der Ratschluss weist,
schwanga is's vom Heilgen Geist.
An Sohn schenkt sie scho boid des Lebn.
Eam soits den Namen Jesus gebn.
In eam ko jeda Mensch dann finden
de Erlösung von de Sünden."

  Ois hod se deswegn so abgspuit,
damit des Schriftwort se eafüllt:
"A Jungfrau, se weard schwanga wearn,
und dann einen Sohn gebärn.
Emannuel, so weard man nenna.
Ois "Gott mit uns" so learnts eam kenna."
So städs beim Propheten geschriebn
in Jesaia vierzehn siebn.

  Wia da Joseph dann vom Schlaf aufwacht
hod er's akurat so gmacht
wias da Enge hod bericht.
Hod se ganz g'nau danach g'richt.
D'Maria is sei Weibe worn
und hod des Kindlein drauf geborn.
Jesus hams es freili gnennt.
Bis dahin hod er's ned dakennt.

  Des Lisal schnauft und hoit a wengei ei.
Do sogt von hint' da kloane Kai:
"Is jetz des Glaaba boid vorbei?"
As Lisal faucht: "Hoid grod dei Mei.
I wear no lang ned ferti sei!"

  "No, wer weard denn do se streitn?
Hörts auf, sonst suach' i glei de Weitn.
Lisal, wunda schee host du des gmacht?
I füarcht, de G'schicht braucht no de ganze Nacht.
Es duad mir wirkle schrekli leid,
i hob heid ned so ewig Zeit.
Drum teil i jetz de G'Schenkal aus –
wea wui des saibagschnitzte Haus?"
"I, i, i ar", jetz gib's koa Hoidn.
Umringa doan de kloan G'teutn
eam und reckan d'Hend wia wuid entgegn
woin as Gschenk und ar an Segn.

  "So, des war des letzte Drum",
sogt er und draht sein Rucksog um.
"De Bescheerung is vorbei ganz gwies,
i hoff, das jeda z'friedn is.
Und hod ebban no an Grund zum klagn,
dann braucht er jetz ned dankschön sagn".
"Danke Opa Sepp, vergöits da God",
schoids eam laut entgegn,
"mit langen Lebn und täglich Brot."

  A bissei is's dann wia im Himme.
Ganz staad is drauf de Kindaschar.
Spiut mit Mandal, Heisal, Schimme,
ois's saiba gschnitzt vom Sepp so übers Jahr.
"Jetz is Weihnacht, denkt da oide Mo,
wia wead oan doch des Herz so froh,
wenn se de Kinder gar so g'frein".
Und eam is, ois lag a hella, warma Schein,
rings um des ganze Waisenheim.

  "Mogst ned bleim?"
heard er as Lenal wia von weid her sog'n.
Und glei drauf, de Kirchturmglockn schlogn.
Er fahrt auf: "Wos, scho so spat, i hob me in da Zeit vagessen –
dankschön für des guade Essen.
Do hearst ned ar scho de Trompetn?
I muass jetzt schleunigst in de Metn.
Kinda, pfuat euch, machts da Lena ja koan Kumma,
dann werd i next's Jahr wiedakomma."
"Du konnst doch net, i muass de Schaitn,
in d'Nacht nei geh bei dera Köitn.
Z'guada letzt schnaibst de no ei
koa Mensch könnt' dir a Huif mehr sei".

  "Da Hiaberl nimmt me mit seim Schlitten
nach der Mess mit bis zu seiner Hütten.
Von do is's nachher nimmer weit.
Und i bin sicher, dass ned schneit.
I kenn den Weg ois wia mei Westntaschn.
Gib ma no an Kantn Brot und a Milli in mei Thermosflaschen
ois Wegzehr mit – mehr konnst heut' nimma füar me doa.
Pfüat de God." Er packt sein Rucksog mit dem Proviant,
de Dia foid zua und s'Lenal stead alloa.
Sie reißt de Dia dant
wieda auf und schreit eam noch: "Hob auf de Acht...
Herrgod, los eam nix sei in dera heilgn Nacht."

 
Kapitel 3: Ankunft

  "Servus Hiaberl, merci für die schnelle Roas.
Is vei guad, wenn ma an Freind ois Nachbarn woas.
Vagelts God bis zum nächste moi,
me ziagts nauf zu Haus und Stoi."

  "Mechst net herunt'n bleim bei mir?
Aufsteign konnst morgn ar no in der Fruah.
De Vroni richt' as Laga her.
Für uns is des fei echt koa Gscherr.
Zumaoi mir g'foid da Himme ned.
Kunnt sei, dass boid a Sturm ostead."

  "Bis dahin bin i lengst dahoam.
Des bissei Wind ko mi ned schwoam.
A Mondnacht is's, so schee und hai.
Do komm i zügig von da Stai."

  "Wanst moanst. An oidn Sturkopf hoid nix auf.
Behüd de God auf deinem Lauf.
Und wannst as Christkind segst auf weiße Schimmi:
ganga bist, bis nauf in Himme!
Hüah", da Hieberl lacht und lenkt sei Ross,
durchs Hoftor mit am leichtn Stoß.
Und os er se a letzt's moi zuaewedraht,
is da Sepp scho wia vom Wind vawaht.

  Die erstn Meta geh'n no leicht.
Da Tannwaldsteig is glei erreicht.
Da Mond leucht wia a grosse Birn,
strahlt auf'n Schnää, glänzt auf'm Firn.
Nur da Wind nimmt imma eppas zua.
Des aber bringt koan Sepp aus seina Ruah.

  Wia a Maschin laft jetz sei Schreitn.
Steil hinauf gäd's auf d'Leitn.
Diaf unta eam so fern und weid
schlaft's Dorf tiaf in da Dunklheit.
Im Mondschein segt er no die Kirchturmspitzn
aus'm Schleianebe blitzn.
"Servus LenaL, hob die woi.
Wer woas wann i de wieda treffe soi.
Hoit de Kinda nur recht zam",
denkt er se und gead recht stram.

  Dann, direkt bei da großn Feichtn,
spuahrt er im Herz an Zug, an leichtn.
Er muass glei drauf wia narrisch schwitzn,
muass se auf an Bamstumpf stützn.
Draht se und foid rücklings um.
Bleibt liegn im Schnä, ganz reglos und ganz stumm.

  Ned lang, dann schlogt er d'Augn wieder auf
und starrt in finstern Himme nauf.
Ganz dunk'l is jetz um eam worn.
Da Sepp moant glatt, er war scho g'storm.
Do sigt er plötzli durch a kloane Woiknritzn
von om herab des Mondliacht spitzn.
Da Sepp schaugt auffe zu de Daxn.
Duad do ned a grousa Vogl sitzn.
"Da Rab', mir schwant's, macht mit mir Faxn."
Heid moang scho hob is diaf drin gspührt,
dass der Vogl nach mir giert."

  "Na mei Liaba, sei drauf gfasst,
i mach jetzt no lang koa Rast.
Ja, i woas, dass dir des gar ned bast.
I bleib in dera Wäid no lenga Gast.
Hau blos ab und bleib ma g'stoin,
mit 100 konnst me vielleicht hoin".

  Dann springt er auf und rennt davo.
A bisserl Angst des hod er scho.
"Herrgod hoit' des Voglzeig
mir bittschön no recht lang vom Leib",
schreit er in am Stoßgebet
und merkt, wias eam glei bessa gead.

  Doch vor lauter Hatz hod er ned g'schaut,
ned gmerkt, wia se üba eam wos zammabraut.
A Schneesturm rauscht und fahrt durch alle Wipfe.
Wiaft saibst den stärksten Tannagipfe
wia dünne Bladdl hin und her.
Aa a paar Ast fliagn scho daquer
und ois er aus'm Tannwiod bricht
schnoitst eam da Sturm an Schnää ins Gsicht.

  Da Sepp bleibt wia verwurzlt steh',
ko kaum an Schritt no weida geh.
"Wos war jetzt des, dearf's so wos gebn?
Des war des erste moi im Lebn,
dass mia's Weda n'Weg abschneidt.
Mei Hüttn is gar nimma weit.
An Steilhang auffe und grodaus,
dann bin i sicher in meim Haus.
Auf gehts, des wearn ma jetz no packa,
boid ko i me, zum warma Ofa zuaweflacka".

  Trotzig stapft er Schritt um Schritt,
schauft wia a Lock bei jedem Tritt.
Wuid entschlossen schaut sei Gsicht,
ois er se durch de Wachtn bricht.
Steil is da Hang, wia tausend Treppn,
jetzt muas er se scho auffeschleppn.
Da Sepp probierts mit letzta Gwoid.
Doch plötzli weards eam bitter koid.
Er nimmt no schnai a letzte Stiagn,
do spüard er no amoi des Ziagn,
des diaf aus seinem Innern kimmd,
des eam den letztn Schnaufra nimmt.

  "I muas rasten", moant er jetzt.
Jetzt langt's, i bin ja so viu g'hetzt.
A kurze Rast werd' me erfrischn
und i ko wieda Kraft dawischn."
Er stützt se ob auf seine Knia,
sei Schwoass tropft wia a hoasse Brüah
auf'n Schnää und grobt se ei.
"Mei", denkt da Sepp, "dearf denn des sei?
I konn de Haxn kaum no gspuarn,
i wear heid Nacht doch ned dafriern".
Er richt' se auf und loand se an an grousn Fels.
Und dann, ganz unerwart um dera Zeit
segt er von Weit, a Liacht, a hells.

  Plötzli is ois ruhig und staad.
Da ganze Sturm is wia verwaht.
Ja über eam in voller Pracht,
hoit a Sternenhimme wacht.
So klar, so weit, so wunderbar.
Da Sepp reibt se de miadn Augn.
"Ja gibts jetzt des, wos dearf ich schaugn
mia is so leicht um's Herz und Gmüat.
So ebbs hob i no ned gspüart."

  Des Liacht kimmd von da Roglaoim;
seit Jahr und Dog is de vafoin.
Koa Menschn-Söi lebt do, seit se de Roglarin,
aufghenkt hod im Schuppn drin.
Doch wia a Zauber is dem Liacht sei Gleisn,
fast so, ois mächats oam die Richtung weisen.
Ja der Schein, er ziagt den oidn Mo
magisch imma mehra o.
Verwundert dappt er jetz darauf zua.
De Neigia lost'n ned in Ruah.
"Wos ko des sei, wos is des blos,
des Liachd weard hella, weard ganz groß."

  Da, direkt übern Rogla Schuppen,
prankt a helle Sternaschnuppen.
Fast wia da Stern von Betlehem.
"Jessas Maria, wia konns den so was gebn".
Z'guaderletzt kimts eam so vor,
ois singat direkt übern Eingangstor,
ganz wunderschee a Kinderchor,
ganz klar, mit Engeszunga.
Ois is eidaucht in a goidnes Liachd,
und er moant, dass es nach Weihrauch riacht.

  Und wia er durch de Dia nei specht,
glabt er grod, er siagt ned recht.
Do stead d'Maria vor da Krippen,
und hod a Liadl auf de Lippen.
Ochs und Esl stehn dabei,
se hearn in alla Söin Ruah,
da jungan Frau beim Singa zua.

  "I glaub, jetz schnapp i dann glei üba",
denkt er se. "Ja, es is grad so,
dass ma se de heilge Nacht,
gar ned bessa vorstain ko".
Schon hod er an Zuatritt hinter seina bracht
und schleicht auf Zehanspitzn,
ganz zuaweduckt am Rand.
Doch an Joseph segt er nirgands sitzn.
"Wahrscheinlich hot'sn kurzahand
aussegschickt zum Brennoiz sammeln,
dann braucht' er do ned umananda gammeln."

  "Bist endlich do!", das Sepp zuckt zam.
D'Maria sogt: "I wart scho lang
auf dei Kemma aus da Nacht.
I g'frei me so, mir war so bang,
fast unerträglich war de Wacht".

  Schnei draht se da Sepp jetzt um.
Mei, des war jetzt freili dumm,
stand da Joseph hinter sei;
dann war de Hoamlichkeit vorbei.
"Na, na, ich moan scho di, mei liaba Mo!
Moanst, dass i ned loosn ko.
Se draht se um und schaugt'n o."

  An Sepp möcht jetzt ganz anders wearn.
Es is a Wunda vor dem Herrn.
"Mei Marei, derfs denn so wos gebn?
Du stehst da wia's blühend Lebn.
und bist so schee, so sakrisch nei!
Ja Herrgod, dearf denn so wos sei."
Er kniaglt se vor ihr glei nieda
und druckt se imma, imma wieda.
Er konns ned fassn, konns ned glam.
Is des a wundabara Dram?

  "Mei Marei, so a lange Zeit.
Da Weg so wax, so streng des Leid.
I bin so froh, dass'd wieda bei mir bist.
Das du do haust hob i ned gwisst."
Wia a Schlosshund muas er rean,
da Esl konn's scho nimma hearn.

  Sie streicht eam durch sein Locknschopf.
Er merkt's glei : "I hob ja wieda Haar am Kopf
und alle Foitn ham se gricht,
am Hintern und erscht recht im Gsicht."
Eam is ois könnt er Bam ausreißen
und d'Faisblöck' durch de Gegend schmeißen.

  "Marei, konnst du mir des erklärn?
Wia kommt des wundersame Werdn.
Mia is, ois fahr' i aus da Haut,
de meina Söi doch so vertraut
und doch am End' mehr Last
ois Hoamat war –
jetzt, jetzt hob i's Wahre gschaut".

  S'Marei grinst und sagt: "Dir is scho gwies,
das des fei blos da Anfang is.
Und ehrlich g'sogt, jetzt gfoist ma wieda –
a junga Mo, mit stramme Glieda –
a oida Greis, war dead, a jungan Dirn zuwieda."

  "Zwick me, i kanns gar ned fassen:
Zerscht des Weda in da Tannwoid-Gassn
und dann des wunderbare Liachd.
Jetzt du so schee
Zwick me, weil i fiacht,
des Glueck kunnt wieda schnia vageh".

  Dann sigt er om am Firstbam kreisn,
tatsächlich Engl di an Herrgod preisn.
Wia Henna flatterns umanand,
mit Fedaflügl in an weißn Gwand.
Glei drauf, wia von Geisterhand,
verschwindt de ganze Schuppenwand
und Hirt und Kini keman aus'm ganzn Land
herbei mit Schof und Gschenk ois Unterpfand.

  Plötzli ruaft er auf da Stäi:
"Mei, do stead ja a Kamai."
Na, glei drei san's, wenn er richtig zöid,
beladn mit Seck voi goldnem Gajd.
Aa Mhyrr und Weihrauch ham's dabei;
ois riacht nach dera Spezarei.
Ja, es is ja doch wirklich wahr:
Do san Kaspar, Melichor, Balthasar.
Da oane is a schwarza Mohr,
und hod a suibans Ringal in seim Ohr.
Alle knians vor dera Krippen nieda
und singan samt de Heerschaarn imma wieda:
"Ehre sei God im Himme drobn
und Fried' den Menschen de eam lobn."

  S'Marei lacht und moant: "In dera Nacht
is dir dei eigne Weihacht gschenkt.
Nach deine Wünsch', wie du dir's denkt,
wie du dir's dacht.
Sie deit' auf's Kind: "alles stead in seina Macht!"

  Jetzt nimmt Marei eam bei seine Hendt.
Sogt: "kom, mia gehn jetzt no am End't
ganz zu unserm Herrgod done.
Se schmuckan se an d'Krippen ohne
und fangan laut zum Singa o
und des, obwoi, da Sepp ned singa ko.

  Imma wenn des Kindal lacht,
is eam, ois weard a Feieresturm entfacht,
in seina Söi, seim welkm Wesen.
Eam is, ois kam er durch an dunklen Schacht
in's Liacht. Des lost'n mehr und mehr genesen.
Er spührt, dass des des Kindal macht
und woass diaf drinn ganz gwiess,
dass des Kind, der Grund von allem is.
Do, jetzt streckts de Hendt no aus,
ois meachats song: "komm zu mir hoam ins Vatahaus."

  Wia a Sog is jetz sei Lacha
und da Sepp erkennt jetz Sacha,
de in da Söi wia Feia stecha
und er moanat grod, er müast zabrecha
daad des Kind des Wort ned sprecha:
"Zerscham de ned, dir is vagebn.
I bin de Wahrheit und dei Weg in's Lebn."
Auf oan Schlog hod er dann erfasst:
"Des Kind do, drogt da Menscheid Schuidenlast
seit jeher scho – und er, da Sepp, is a Teil davo!
Ja, de Krippn und des Kreiz, de uns dadrogn,
san aus da saibn Wurzl gschlogn."

  Glei drauf fangt er obrmois zum Woana o:
"Vazeih de Sündn de i do,
mach wieda guad, wos i ned ändern ko
Ich mecht für imma mit Dir sei
mei Heiland, komm, mach alles nei."

  Am nächst Tag ham's eam dann g'fundn,
starr und steif am Steilhang drunt'n.
Am Faisn is er donegloant.
Ebban moant: " Er hät' no gwoand."
Ein andra sogt: "Wos muas der Siach,
do auffa renna nach der Kirch."
Am Lenal hod's as Herz zarissn,
zudem plogt se's schlechte Gwissn.
Nia hät's an Göd, den stuarn Zöitn,
geh lossn dearfa bei der Köitn.

  Für'n Sepp hod des ois nimma zait.
Er war längst scho in a bessan Waid.
Doch auf seim G'sicht lag no a Glanz
wie von am heilg'n Liachtakranz.
De Aug'n ham gleicht, drin stand zum Lesen:
"Des is mei schönste Weihnacht' gwesen."

24.12.2014    



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© WolfgangJohannesWelk ( wjw@reimquelle.de )

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