Bruder


Bruder, erster Gefährte auf Augenhöhe,
willkommenes Opfer beim Kissenschlachten
und Stoffrollen sich um die Ohren Schlagen,
unerbittlich bis das Licht von Himmel fällt
und Mutter die Haare zu Berge stehen.

  Bruder, nicht ausgesucht, einfach dazu geschenkt
für Abenteuer auf dem Indianerpfad und darüber hinaus,
gespannt wie Fieberglasbögen in grün-orange auf jedem Schritt,
kein Tritt und keine Spitze zu schade, um sie nicht dem Blutsbruder
in den Allerwertesten zu schaukeln – versehentlich.

  Bruder, erster Feind um die Gunst der Götter,
an dem man erstmals handgreiflich werden kann
bis beide vollkommen ausgeschopft sind,
mit dem man im Wettstreit die Lego-Munitionskiste
nach sprengmächtigen Bomben durchwühlt
und bei dem im Nacheifer des Gefechts
kein Stein mehr auf dem anderen bleibt.

  Bruder, Mitspieler im legendären Dachhochball
im gepflasterten Hofgarten der Großeltern
mit den gehäuteten Hasen Maxi und Struppi auf der Tribüne,
vor der auch die Ritterspiele unerbittlich spielten
mit Schwertern aus Nussbaum und Helmen aus Ariel.

  Bruder, erster Deserteur aus den Johannisbeerbüßchen,
die wir durchpflückten mit unerträglicher Geduld,
erster Schlichter beim Brennholzstapeln,
zweiter Kapitän, als unser Flussfloß
in den Wildwassern der Ache die Sandbank rammte.
Ja, Wasser war schon immer deine Leidenschaft.
Hättest du damals nicht die Segel in der Badewanne gestrichen –
mit dem Haarföhn – wer weiß was aus dir geworden wäre.

  Bruder, Freund, Feind, Gefährt, erster Begleiter,
Mitdurchschreiter der Tore in's Leben,
gut dich zu kennen. Durch dich kam ich weiter.
Schön, dich Bruder zu nennen!
Danke, du tapferer Streiter!

22.09.2017    



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© WolfgangJohannesWelk ( wjw@reimquelle.de )

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