Alter, was willst du von mir?
Ich habe nichts mit dir zu schaffen.
Lass mich, komm, zieh endlich Leine,
lass das Gieren, lass das Gaffen!
Du bist nur scharf auf meine jungen Beine
und meine Brüste, die noch straffen.
Alter, ich ergreif nicht deine schlaffen Hände,
kann dein Nahen kaum ertragen.
Dein wirrer Blick spricht Bände.
Solang ich kann, werd' ich deinem Kuss entsagen
und deinem fetten Falten.
Hinfort, ich will noch nicht veralten.
Alter, wie hass ich dein Umarmen,
dein Beflecken.
Ich kenne dich, doch du kennst kein Erbarmen.
Du willst mich ganz mit dir bedecken,
willst in meinen Leib, den warmen,
deine kalten, steifen Glieder stecken!
Alter, ich weiß, mein weinen wird nichts nützen,
ich muss mit dir in deine dunkle Kammer.
So nimm mich denn und habe deine Lust an mir.
Aber glaube ja nicht, dass ich jammer,
oder dass ich Angst vor dir verspür.
Ja, mein Fleisch gehört vielleicht schon dir,
doch meines Geistes Jugend immer mir.
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