Braunes Band


Ein Rechtsruck zuckt durch unser Land
in grellen Donnerblitzen
dort und immer mehr auch hier
lodert todgeglaubter Brand
aus dunklen Wolkenschlitzen
und stürzt mit hochgeriss'ner Hand
auf Äcker, die es wissen müssten,
dort quillt sogleich aus braunen Ritzen
die faule Frucht in wildem Ranken,
um zunächst gleichauf mit Kohl und Beere
im gleichen Beet zu sitzen.

  Doch ein Dämon speist die Wurzel tief
und treibt das Wachstum wütend an.
Schon schlängelt sich das braune Grauen
beseelt vom Feindbild, das es treibt
auf die Straßen, in die Gauen.
Im Beet herrscht Chaos, Angst und Leere.
Dort liegt verwüstet und entleibt
der Kohl und auch die Beere.
Was hält es auf?

  "Heil, Heil!" zischt es an jedem Ort.
"Mit fremder Frucht ist nicht zu scherzen!
Geht flugs daran mit Tat und Wort
alles and're auszumerzen."
Das Band, es fühlt nur kalt und heiß
und ist sich selbst sein höchstes Gut.
Sein Auge kennt nur schwarz und weiß.
Vernichtend ernst ist seine Wut.
Wer hält es auf?

  Das Band ernährt sich ganz geschickt,
verwickelt Brüderherzen säuselnd fein.
Schon bald ist alles Ich im Wir erstickt.
Würgend schlingt's in sich hinein,
was tief verängstigt und entglückt,
was vergessen und allein.
Dabei verwischt sich alles eig'ne Sehnen.
Vereint fühlt man sich schon am Ziel,
und wenn im Gleichtakt Stiefel dröhnen:
Hältst du es auf?

  Ach Freunde, seht ihr seine Fahne nicht?
Folgt nicht des Bandes flatterhaftem Fluch!
Schon einmal wehte es die Nacht in's Licht.
Das Band, sein Wandel hin zum Leichentuch,
lies keine Seele unversehrt.
Ihr wisst doch Freunde, bleibt belehrt:
Niemand schlägt der Freiheit ins Gesicht,
der sie aus tiefstem Herzen lebt und ehrt.
Das hält es auf!

21.11.2016    



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© WolfgangJohannesWelk ( wjw@reimquelle.de )

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