An die Despoten


... nur weiter so, ihr Toten!
Wir werden's dann schon sehen.
Und auch das Hören
wird uns allen, die wir euch
den Pinsel nicht sogleich entreißen,
noch vergehen.

  Ihr solltet doch der vielen Fäden
loser Enden
hin zum schön gewob'nen Bilde wenden
hier mit Feinsinn,
dort mit starken Sinnen
aus stumpfen Stroh
mit weisen Vaterhänden
uns die gold'nen Fäden Spinnen.

  Doch wehe mir, mir graut,
wenn ich euer Kunstwerk sehe!
So häßlich ist's, dass es mich blendet
in allem grob und unvollendet.
Man mag es drehen nach allen Seiten,
sogar in's hellste Licht es halten,
es mit Blumen bunt umbinden,
ein teuflisch Kunstwerk blieb's.
Niemand und nichts kann darin sich finden.

  Versponnen auf sich selber zeigend,
sich nur dem eig'nen Bildnis neigend,
nichts höherem zugewendet,
ja, sogar der Farben reinstes Wesen
wird mit nur einem Pinselstrich geschändet,
ein Chaosknäuel
aus finst'ren Stricken!
Wohin man den entsetzten Blick auch sendet,
nur rot-getränktes Fädenflicken
und Gräuel, Gräuel, Gräuel!

27.08.2013    



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© WolfgangJohannesWelk ( wjw@reimquelle.de )

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