Der Kaiman – oder: Irren ist männlich


Im Wasser zwischen Meer und Fluss
schwamm ein Hai voll Überdruss.
Er schwamm her und er schwamm hin
scheinbar ohne Lust und Sinn.
Er drehte sich im Kreis dabei
so dumm und stumm –
sicher war's kein weiser Hai.

  Da trieb im Strome flott vorbei
ein Kaiman mit dem Namen Kai.
Dieser sah den großen Fisch
in Gedanken schon auf seinem Tisch.
Gesättigt wäre er an vielen Tagen
mit diesem Hai in seinem Magen.

  Doch wie sollte er dort hin gelangen?
"Ich muss ihn wohl mit Worten fangen.
Ich quatsch ihn voll ab jetzt bis vier,
dann fällt er sicher ins Delir",
so dachte sich das Echsentier.
Für's Quatschen war er gut zu haben,
denn ein Ahne kam aus Schwaben.

  So sprach der Kaiman zu dem Hai:
"Hey Mann, ich bin der Kai.
wie geht es dir?
Dieses hier ist mein Revier.
Aber lass dich hier ruhig weiter treiben,
ich kann leider nicht sehr lange bleiben.

  Lass uns ein wenig schwätz' und schaue,
dann muss i wieda Häusle baue.
Was schauschst du denn so traurig drei,
willscht nid a wengle luschtig sei?
Hascht vielleicht a böse Frau?
I nems mit der Treu nit so genau...
Noi, noi, so eifach is des heutzdag nimma,
de sind recht schlau, die Frauezimma.

  Man darf de Fraue niemals traue.
Sie tun dir tief ins Äugle schaue.
Ham sie dich fest fixiert und im Visier,
dann is es auch schon aus mit dir.
Und mit dem Sex is's auch vorbei,
sobald se ham de Balgerei...
So isch's bei uns – isch es auch so bei de Hai?"

  So redet er und lässt die Stimme walten.
Der Hai kann seine Lieder kaum noch halten.
Und dann im nächsten Augenblick
schläft er scheint's ein ... "Was für ein Glück",
denkt sich der Kaiman und schickt sich an,
den Hai mit Zähnendolchen scharf wie Eisen
sogleich genüsslich zu verspeisen.

  Gerade will er ihn in Stücke reißen,
sich fest in seinem Fleisch verbeißen...
Da wähnt er noch ein böses Wimpernzucken,
zu spät jedoch, um sich noch weg zu ducken.
Vor ihm klafft ein riesen Rachen.
Schön hört man laut das Kiefer krachen.
Ja, beim nächsten Lidschlag war's vorbei
mit Haut und Panzer fraß den Kai
schmatzend auf der weiße Hai.

  Was nicht so sehr zum Wundern war.
Im Grunde war's ja sonnenklar:
Ein Kaiman ist zwar zwar ziemlich schlau.
Doch unser Kai war leider ungenau.
Viel schlauer war der weiße Hai,
der kei' Mann war, sondern ne Frau.

24.08.2012    



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© WolfgangJohannesWelk ( wjw@reimquelle.de )

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