Aggression, 03


Nur im stillen Schweigen
darf ich Aggression noch zeigen.
Die ist im Innern explodiert,
was zu starker Spannung führt.
In Schultern und im Nacken
hör' ich es daher knacken.
Ich leb' schon lang mit diesen Macken,
doch fühlt sich's manchmal an,
als würd' mir jemand tausend Tonnen
auf meinen armen Rücken packen.

  Im Nichtstun und in Badewannen
würd' ich daher gern entspannen,
um die Not etwas zu lindern
und um den Verfall zu hindern.
Leider tobt ein Treiber in der Seele,
der freut sich wenn ich mich quäle.
Als Treibstoff ist ein Schambild etabliert,
das der Treiber ständig strapaziert.
In diesen Rahmen soll ich passen.
Dort dürfte ich dann sein und würd' gekürt
zum Lieblingsheld der stummen Massen.

  So schreit der Treiber laut: "Nun lauf!
Halt dich mit Müßiggang nicht auf!
Dein Morgenrot ist nicht mehr weit.
Die Last wird leichter mit der Zeit.
Morgen schon am Ende wartet der Gewinn.
Auf diesen jag' mit allen Kräften hin."
So plag' ich mich mit stetem Wallen.
Ich will dem Schambild ja gefallen.
Stündlich bekomm' ich meinen Tageslohn,
ein leeres Jetzt und noch mehr Aggression.

29.04.2017    



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© WolfgangJohannesWelk ( wjw@reimquelle.de )

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